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Kurtz, Ernst Dr. jur. (geb. 8. Februar 1899, gest. 9. April 1996)

Jurist und langjähriger Uhrenfabrikant

Biographisches[Bearbeiten]

Am 08. Februar 1899 wird Ernst Kurtz in Altona als Kind einer aus Halle/Saale stammenden, gut bürgerlichen Familie geboren. Nach Absolvierung der Schulzeit mit Gymnasialabschluss studiert er nach Beendigung des 1. Weltkrieges in Halle/Saale Jura und promoviert 1924 zum Dr. jur.

1925 beginnt er seine berufliche Laufbahn als 2. Syndikus des Zentralvorstandes der Deutschen Uhrmacher in Halle/Saale. Im Konkursverfahren der Deutschen Präzisionsuhrenwerke Glashütte (DPUG) wirkte Dr. Kurtz als Justiziar mit und vertrat die Interessen der deutschen Uhrmacher so exzellent, dass ihn der Zentralverband der deutschen Uhrmacher der Giro-Zentrale Sachsen mit Sitz in Dresden, dem Hauptgläubiger der DPUG, 1926 als Geschäftsführer für die durch die Giro-Zentrale zum Zweck der Verlustreduzierung neu zu gründenden Glashütter Uhrenbetriebe UFAG & UROFA empfahl. Als Jurist war er auch maßgeblich für die Erarbeitung der beiden Gesellschafterverträge verantwortlich, die ihn als alleinigen Gesellschafter auswiesen.

Vom Anbeginn seiner Tätigkeit als Uhrenproduzent war Dr. Kurtz bestrebt mit den beiden neuen Betrieben den Schweizer Uhrenproduzenten von Deutschland aus eine leistungs- und konkurrenzfähige Serienproduktion von Armbanduhren entgegenzustellen und somit das Schweizer Monopol zu brechen. Eine hohe Kosteneffizienz bei Einhaltung höchster Qualitätsstandards war dazu unbedingte Voraussetzung. Dr. Kurtz war als ein Firmenchef bekannt, der mit allen Fertigungsabläufen vertraut war und meist mit der Stoppuhr auf die Einhaltung der von ihm vorgegebenen Effizienzkriterien achtete. So wurden unter seiner Betriebsführung in den Jahren bis 1939 eine Reihe von neuen Innovationen wie z.B. die Kaliber 51, 52, 53, 54, 58 & 58.1 entwickelt, in verschiedenen Qualitätsstufen gefertigt und erfolgreich in den Markt eingeführt. Gleichfalls etablierte er auch die heute noch bekannte Qualitätsmarke „Tutima“ für die bei der UFAG veredelten Werke der UROFA .

Mit der 1938 erfolgten Einstufung als „Betrieb zur Wehrfertigung“ war eine freie unternehmerische Tätigkeit für Dr. Kurtz nicht mehr möglich. 1939 verpflichtete ihn ein Auftrag des Rüstungsministeriums zur Entwicklung eines Fliegerchronographen, dem späterem Kaliber 59. Diese Produktion band zu großen Teilen die Kapazitäten der beiden Werke bis 1945. Der Bruder von Dr. Kurtz, Dipl.-Ing. Walter Kurtz, trug als Testpilot der Reichsluftwaffe eine dieser Uhren. Im Verlauf des Krieges erhielten die Betriebe im zunehmenden Maße Aufträge zur Produktion von Zeitzündern. Gegen Kriegsende wurden diese Produktionszweige zu ihrem Schutz vor Bombenangriffen weitestgehend in kleinere Dörfer, unter anderem auch nach Memmelsdorf (Unterfranken), ausgelagert.

Nachdem sich Dr. Kurtz bereits am 25. April 1945 als neuer Bürger in Memmelsdorf (Unterfranken) angemeldet hatte und Teile des noch vorhandenen Rohwerkebestandes hatte dahin auslagern lassen, entzog er sich dem drohenden Zugriff der Roten Armee und verließ Glashütte am 7. Mai 1945 endgültig, um nach Kriegsende mit den ausgelagerten Rohwerken eine neue Existenz in Memmelsdorf, welches in der amerikanisch besetzten Zone lag, zu begründen. Noch 1945 gründete er mit der vorgenannten Glashütter Fertigungsstätte Memmelsdorf unter dem Namen „Uhrenfabrik Kurtz“ seine neue Firma.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist das Leben des Dr. Kurtz aufs Engste mit der Geschichte der Uhrenfabrikation Kurtz verknüpft. Das folgende Jahrzehnt ist geprägt durch den Aufbau bzw. die Zusammenlegung neuer Fertigungsstellen, finanzielle Rückschläge, einen Konkurs der Firma und einen erneuten Anfang mit Hilfe eines Partners (für weitere Details siehe im Artikel Uhrenfabrik Kurtz).

1960 waren die finanziellen Ressourcen der Firma erschöpft. Damit endete endgültig die Uhrenfabrikation mit eigenen Rohwerken der Firma des Dr. Ernst Kurtz, einem Pionier der Glashütter Armbanduhrenindustrie.


In einer Art Vermächtnis äußert er sich später in seinen “Hollener Erinnerungen“ Zitat:

„ Ein Betrieb muss eine Aufgabe haben, möglichst eine nationale (für uns war es die deutsche Armbanduhr und das Brechen des Monopols der Schweiz).

Um diese Aufgabe zu erfüllen, muss ein Betrieb auch Jahre eines Aufbauverlustes verkraften. Einmal muss der Betrieb sich aber rentieren, sonst hat er keine Existenzberechtigung.

Der Mensch darf aber nicht als Produktionsfaktor angesehen werden. Irgendwann muss er auch „Herr des Betriebes“ sein.“


Soweit bekannt, war Dr. Kurtz nie verheiratet und hinterließ auch keine Kinder.

Am 09. April 1996 stirbt Dr. Ernst Kurtz mit 97 Jahren im Altenpflegeheim Waldschlösschen in Ganderkesee-Stenum.

Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Bookholzberge.

Weiterführende Informationen [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

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