Datei:George Graham, London, Werk Nr. 756, circa 1737 (1).jpg

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George Graham, London, Werk Nr. 756, Höhe 1875 mm, circa 1737

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Bedeutender, musealer Präzisionsregulator mit Messing/Stahl-Rostpendel und Datumsanzeige - der vierte von Graham gebaute Regulator mit Monatsgang Geh.: Eiche. Ziffbl.: Regulatorzifferblatt mit Ausschnitt für digitale Stundenanzeige, versilbert, verschließbare Öffnung für den "bolt and shutter"-Mechanismus. Werk: sechseckiges Messing-Vollplatinenwerk, nummeriert, Graham-Hemmung, Messingpendellinse, Schneidenlagerung, Aufzugstopvorrichtung.

George Graham (1673-1751) ist als Fertiger von anspruchsvollen Uhren bekannt, nicht so sehr, dass er auch ein exzellenter Hersteller von mathematischen und astronomischen Instrumenten war. Graham war auch ein guter astronomischer Beobachter; zwei Merkurdurchgänge, mehrere Finsternisbeobachtungen und Sternentdeckungen verdanken wir ihm. 1725 entwickelte und baute er für Halley einen großen Mauerquadranten im Königlichen Observatorium in Greenwich und ermöglichte damit zwei neue Bewegungen in den Fixsternen zu entdecken. Außer mehreren von ihm verfertigten Quadranten hat Graham sich besonders durch seine großen Zenitsektoren einen Namen in der Geschichte erworben. Graham lieferte auch den Franzosen astronomische Instrumente, die sie im Norden Frankreichs für Beobachtungen nutzten, um die Gestalt der Erde besser beurteilen zu können. Diese Instrumente waren prototypmäßige Beispiele derartiger Techniken und England wurde somit das Zentrum für die Herstellung von astronomischen und anderen Instrumente für den Rest des achtzehnten Jahrhunderts. So war Graham in Europa für seine wissenschaftlichen Instrumente viel bekannter als für seine Uhren. 1720 wurde er Mitglied (Fellow) der Royal Society, wo er auch Vorlesungen über seine verschiedenen Erfindungen gab.

Graham entwickelte auch die entscheidenden technischen Grundlagen für Präzisionsuhren, die andere große britischen Uhrmacher, wie Thomas Mudge, John Arnold, John Ellicott und Thomas Earnshaw nutzten und weiter verbesserten. Bevor Graham sich dem Präzisionsuhrenbau zuwandte, konnten Regulatoren aufgrund des fehlenden Wissens auf dem Gebiet "Genauigkeit" nur unzureichend gefertigt werden. Graham nutze alle existierenden Erkenntnisse und schuf mit seinen neuen Überlegungen zur Präzisionsuhrmacherei eine einheitliche und perfekte Version eines Regulators, der besonders durch das einfache und schnell abzulesende Regulatorzifferblatt, das schlichte, aber sehr elegante Gehäuse und das hochqualitätsvolle Werk bekannt wurde. Eine einfache und klare Konstruktion, die dennoch damit die am weitesten fortgeschrittene ihrer Ära und darüber hinaus war. Und reflektierte somit all das, wofür "Honest" (der Ehrenwerte) George Graham mit seiner uhrmacherischen Arbeit stand. Regulatoren in einfachen Eichen-Gehäusen wurden meistens für den Arbeitseinsatz in Observatorien gefertigt. Sie hatten überwiegend eine Gangdauer von einem Monat, was den Käufer aufgrund des komplizierteren Werkes – ein Rad mehr – einige Guineen zusätzlich kostete. Die Werke hatten massive hochrechteckige Messingplatinen mit oben abgeschrägten Ecken, sechs schwere verriegelte Baluster-Pfeiler, bolt and shutter-Gegengesperr, stop work (Aufzugsstopp) und ein verschraubtes quadratisches 10 – 10,5 Zoll [Inch]-Zifferblatt, normalerweise mit einem nach oben gebogenen Ausschnitt für die Stunden, jeder der vier Zifferblatt?Füße wurde üblicherweise mit drei Schrauben auf der Vorderplatine befestigt. Das von Graham konzipierte Regulatorwerk war über 50 Jahre die Grundkonstruktion für derartige Uhren und wurde auch noch anfangs von John Arnold unverändert genutzt.

Graham hat somit als Erster Präzisionspendeluhren (astronomische Standuhren), sogenannte (Stand)Regulatoren, entwickelt und gefertigt, die seinerzeit in vielen europäischen Observatorien zum Einsatz kamen. Insbesondere dem Königlichen Observatorium in Greenwich, das als erste zwei PPU in den Jahren 1725 und eine 1750 erwarb.

Die Recherchen zu astronomischen Standuhren von Graham ergaben, dass im Anschluss an die erste Lieferung der Uhren "Graham 1" = No. 621 und "Graham 2" = No. 675 im Jahr 1725 für die Königliche Sternwarte in Greenwich drei weitere Uhren nach Wien geliefert wurden. Eine um 1737 und eine um 1740 an die Privatsternwarte des Wiener Hofmathematikers Johann Jakob Marioni (1676–1755) und eine dritte 1738 an die neue Jesuiten-Sternwarte in Wien. Die Begeisterung von Marinoni für die exakte Zeitmessung führte nicht nur zu einer hervorragenden Ausstattung der Wiener Sternwarten, sondern 1745 auch zu einer fast 300 Seiten starken Veröffentlichung mit dem Titel "De astronomica specula domestica et organico apparatu astronomico", in der er die Ausstattung seiner Sternwarte in bemerkenswert detaillierten Stichen darstellt.

Andere Sternwarten in Europa, wie beispielsweise Uppsala und Paris, wurden erst ab 1740 mit Graham-Regulatoren ausgestattet. Insgesamt sind nur etwa 10 von Graham signierte astronomische Monats-Regulatoren bekannt, davon sind nur sehr wenige erhalten, u.a. die No. 756.

In den Annalen des Jahres 1738 der Jesuiten-Sternwarte wird erwähnt: "An neuen Einrichtungsgegenständen werden noch aufgezählt ein Newton'sches Fernrohr von 5 Fuß Länge und eine sehr genaue Pendeluhr aus der Werkstätte des berühmten englischen Mechanikers Graham, von diesem selber in London geprüft. Beide zusammen kosteten 370 rheinische Taler." So konnte die Uhr auch bei den ersten meteorologischen Beobachtungen im Jahr 1738 genutzt werden. In späteren Annalen wird bestätigend erwähnt, dass sich in der Jesuiten-Sternwarte - parallel zu den beiden Graham-Uhren in der Marinoni-Sternwarte - auch seit etwa 1738 ein Graham-Regulator ohne Kompensationspendel befand, der erst später mit einem Rostkompensationspendel ausgestattet wurde.

Franz Xaver Freiherr von Zach, Direktor der Seeberg-Sternwarte in Gotha und Herausgeber der Zeitschrift Monatliche Correspondenz berichtet darin 1801: "[…] Als P. Liesganig [der Direktor der Jesuiten-Sternwarte] im J. 1772 von der Regierung den Auftrag erhielt, eine Karte von Galizien und Lodomerien zu verfertigen, ließ er mehrere astronomische Instrumente von der ehemaligen Sternwarte des Wiener Jesuiten-Collegiums nach Lemberg schaffen, wo er eine neue Sternwarte einzurichten Willens war. [...] Von Uhren brachte Liesganig mehrere aus Wien mit, eine Graham'sche [es gab nur eine in der Jesuiten-Sternwarte], an welche er einen rostförmigen Compensations-Pendel hatte anbringen lassen; eine von Vötter, und noch andere in den Wiener Jesuiten-Collegium verfertigte. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, so war bey dem physikalischen Cabinette auch eine Le Paute'sche, welche die Secunde durch einen Glockenschlag anzeigte [Durchgangsuhr]"

Nach Auflösung des Jesuitenordens wurde die Sternwarte Lemberg außer Betrieb genommen und so schrieb von Zach kurz darauf von einem Besuch in Lemberg "[...] Auch fehlt es nicht an astronomischen Pendel-Uhren, worunter eine schöne Englische von Graham; allein ihr Gang wird nicht beobachtet, und sie dienen zu gar keinem astronomischen Gebrauche. Diese Uhren sind unter den verschiedenen Professoren zerstreuet, und dienen nur zur Zierde ihrer Zimmer. [...] Da also [am 16.09.1801] noch so viele gute astronomische Instrumente und Uhren vorhanden sind: so ist es jammerschade, daß diese 'so ungebraucht' und unbenutzt in Kisten und Kasten verrosten, und von Grünspan aufgezehrt werden, [...]"

Ein Glücksfall für die Forschung - und speziell für die Graham-Uhr Nr. 756. Denn genau diese ist es, die im Jahre 1738 an die Wiener Jesuitensternwarte geliefert wurde. In Marionis Buch von 1745 finden sich mit der seltenen Genauigkeit von Konstruktionszeichnungen eine der Wiener Graham-Uhren dargestellt. Es gibt hervorragende Darstellungen des Werkes ohne Zifferblatt von allen Seiten, selbst der Aufstellungsort mit seinem Umfeld und auch das vollständige Gehäuse mit Bemaßung. Auch ist hier zu erkennen, dass damals die Nutzung eines Pendels ohne Kompensation und eine geschlossen Türe üblich war. So auch ursprünglich bei der Nr. 756. Die Originalität zeigen dennoch die geprägten Nummern "756" im Türfalz.

Quelle (und freundliche Unterstützung): Jürgen Ermert: Band 1 der Buchreihe "Präzisionspendeluhren in Deutschland von 1730 bis 1940, Observatorien, Astronomen, Zeitdienststellen und ihre Uhren"

George Graham wird heute bisweilen als der berühmteste Uhrmacher der Geschichte bezeichnet. Seine Bedeutung als Uhrmacher, aber auch als Hersteller von wissenschaftlichen Instrumenten, wurde jedoch auch zu seinen Lebzeiten bereits erkannt. James Bradley (1693-1762), ein englischer Geistlicher und Astronom, schreibt 1748 in einem Brief: "Ich weiss jedoch, dass - falls meine eigenen Bemühungen in irgendeiner Weise zur Weiterentwicklung der Astronomie beigetragen haben – dies hauptsächlich den Ratschlägen und der Unterstützung zu verdanken ist, die ich von unserem geschätzten Mitglied Mr. George Graham erhalten habe, dessen großes Können und Urteilsvermögen in der Mechanik zusammen mit lückenlosen und praktischen Kenntnissen bei der Benutzung von astronomischen Werkzeugen ihn dazu befähigen, das Thema zu verstehen und zu bearbeiten." ("A letter to the Right Honourable George Early of Macclesfield concerning an Apparent Motion Observed in Some of the Fixed Stars." Philosophical Transactions, Vol.

An important, in museum quality precision regulator with grid iron and brass pendulum and date - 30 days power reserve Case: oak. Dial: regulator dial aperture for digital hours, silvered, winding hole with bolt and shutter. Movm.: hexagonal brass full plate movement, numbered, Graham escapement, brass pendulum bob, knife edge suspension, winding stop device.

George Graham (1673-1751) is famous as a maker of superior clocks but it is little known that he also built excellent mathematical and astronomical instruments. Graham was an avid astronomer himself; we owe it to him that we know of two transits of Mercury, several eclipses and new stars. In 1725 he designed and built a mural quadrant at the Royal Ovservatory in Greenwhich for Halley, which enabled him to observe two changes in the position of fixed stars. In addition to building several quadrants, Graham is known for creating a number of large zenith sectors; he delivered astronomical instruments to France that were used in research on the shape of the earth carried out in the North. These instruments were technological prototypes and England soon became a production centre for astronomical and other instruments – it remained so for the rest of the century. In Europe Graham was much better known for his scientific instruments than for his clocks. In 1720 he became a Fellow of the Royal Society, where he held lectures on his various inventions.

It was Graham who developed the crucial technical details for precision clocks that were taken up and developed further by other great makers such as Thomas Mudge, John Arnold, John Ellicott and Thomas Earnshaw. Before Graham began making precision clocks, regulators were rather inadequate because there were so many unknown factors with regard to accuracy. Graham used his enormous knowledge to go further than ever before and he built a perfect standard regulator that became famous for its easy to read dial, the simple but elegant case and the top quality movement. A simple and clear-cut design that nevertheless was the most advanced construction of its time. It was a symbol for everything the "honest" clockmaker George Graham stood for. Regulators in plain oak cases were usually built for use in observatories. They normally had a power reserve of one month and this extra complicated movement meant that the buyer had to pay a few guineas more – the movement needed an additional wheel. The movements had solid high rectangular brass plates with chamfered edges at the top, six heavy, locked baluster pillars, bolt and shutter locking devices, stop work and a screwed-on square 10 – 10.5 inch dial that usually had an upwardly curved aperture for the hours; each of the four dial feet was usually fixed on the front plate with three screws. For over 50 years Graham's regulator movement design was used to build this type of clock and even John Arnold used it in the early days.

Graham was the first to develop and build precision pendulum clocks (astronomical long case clocks), so-called (long case) regulators which at the time were used in many European observatories. The Royal Observatory in Greenwich was the first to acquire two of these clocks in 1725 and 1750.

Research on Graham's astronomical long case clocks showed that after the first delivery of the "Graham 1" = No. 621 and the "Graham 2" = No. 675 in 1725 to the Greenwich observatory, three other clocks were delivered to Vienna, one around 1737, one around 1740 to the private observatory of Johann Jakob Marioni (1676–1755), mathematician to the Viennese court, and a third one in 1738 to the new Jesuit observatory in Vienna. Marinoni's enthusiasm for accurate time measurement not only ensured that the Vienna observatories had excellent instruments and tools at their disposal, in 1745 it also produced a nearly 300 page paper entitled "De astronomica specula domestica et organico apparatu astronomico", where he describes the equipment in his observatory in incredibly detailed engravings.

Other observatories in Europe such as Uppsala and Paris only acquired Graham regulators after 1740. We know of only 10 astronomical regulators signed by Graham and of those only very few have survived, such as no. 756.

The 1738 annals of the Jesuit observatory state that "other new equipment includes a Newton telescope 5 feet long and a very accurate pendulum clock from the workshop of the famous English engineer Graham, tested by Graham himself in London. Both instruments together cost 370 Rhenish thaler." This means that the clock could be used for the first meteorological observations in 1738. Later annals confirm that in addition to the two Graham clocks in Marinoni's observatory, the Jesuit observatory owned a Graham regulator without compensation pendulum that would eventually be fitted with a gridiron pendulum, from around 1738 on.

Franz Xaver Freiherr von Zach, director of the Seeberg observatory in Gotha and publisher of the magazine Monatliche Correspondenz (Monthly Correspondence) writes in 1801: "[…] When P. Liesganig [director of the Jesuit observatory] was commissioned in 1772 by the government to draw a map of Galicia and Lodomeria, he had several astronomical instruments from the former observatory of the Jesuit College brought to Lviv, where he planned to set up a new observatory. [...] Liesganig brought several of the clocks from Vienna, one by Graham [the Jesuit observatory only had one], to which he had added a gridiron pendulum; one by Vötter, and others that had been constructed in the Vienna Jesuit College. If I remember correctly, the collection also included a clock by Le Paute with a second strike [a so-called "Durchgangsuhr"]".

After the suppression of the Jesuits the observatory in Lviv was shut down and shortly afterwards von Zach wrote about a visit to Lviv "[...] There is no shortage of astronomical pendulum clocks, among them a beautiful English one by Graham; however, the clocks are not being observed and they serve no purpose. These clocks have been spread among the professors and only serve to decorate their rooms. [...] As there are [on September 16, 1801] so many excellent astronomical instruments and clocks: it is a shame that these are rust away in chests and crates and are not being used but eaten up by green rust, [...]"

This was lucky for science and research – and especially for Graham's clock no 756. It is this clock that was delivered in 1738 to the Jesuit observatory in Vienna. Marioni's book of 1745 shows one of the Vienna Graham clocks in great detail as in design drawings. There are excellent illustrations of the movement without the dial from all sides, even the position and the environment are shown as well as the complete case and its dimensions. The drawings also show that a pendulum without compensation was used at the time and the case door was kept closed. No. 756 was also originally constructed in that manner. Its authenticity is proved by an embossed number "756" in the door jamb.

Source (and kind assistance): Jürgen Ermert: Vol. 1 of the series "Präzisionspendeluhren in Deutschland von 1730 bis 1940, Observatorien, Astronomen, Zeitdienststellen und ihre Uhren" (Precision Pendulum Clocks in Germany from 1730 to 1940 - Observatories, Astronomers, Standard Time Agencies and their Clocks)

George Graham (1673-1751) is sometimes referred to as the most famous clockmaker in history. However, his importance as a maker of clocks as well as fine scientific instruments was recognised even in his life time - James Bradley (1693-1762), an English clergyman and astronomer wrote in a letter in 1748: "For I am sensible, that if my own endeavours have, in any respect been effectual to the advancement of astronomy; it has principally been owing to the advice and assistance given me by our worthy member Mr. George Graham; whose great skill and judgement in Mechaniks, join'd with a complete and practical Knowledge of the Uses of Astronomical Instruments, enable him to contrive and execute them in the most perfect manner." ("A letter to the Right Honourable George Early of Macclesfield concerning an Apparent Motion Observed in Some of the Fixed Stars." Philosophical Transactions, Vol. 45.)

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