Prüfungsarbeiten zur Gesellen- & Meisterprüfung des Uhrmacherhandwerks in der ehemaligen DDR

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Prüfungsarbeiten zur Gesellen- & Meisterprüfung des Uhrmacherhandwerks in der ehemaligen DDR[Bearbeiten]

Meisterstück mit Feinregulierung bei GUB Kaliber 60


In den 1950 Jahren, der Hochzeit der mechanischen Armbanduhr, war der Uhrmacher noch integraler Bestandteil des Alltagslebens in jeder Stadt und jedem größerem Ort.

Der anspruchsvolle und interessante Beruf des Uhrmachers war der Wunsch so manchen Kindes und Jugendlichen, welches oft staunend im Geschäft des Uhrmachers dem Ticken und schlagen unzähliger Uhren an den Wänden und in den Auslagen lauschte.

Nach einer dreijährigen Lehrzeit hatte man in diesem Beruf lange noch nicht „ausgelernt“ und bis zu einer Meisterprüfung vor der Prüfungskommission der Handwerkskammer war es noch ein langer Weg.

In der ehemaligen DDR waren es zum Beispiel die Uhrwerke der Kalibergruppe 60 aus der Produktion der Glashütter Uhrenbetriebe, die beliebte Objekte zum Anfertigen von Prüfungsarbeiten waren.

Die gezeigten Arbeiten sollen ausschnittsweise verdeutlichen, welches Potential und welche Innovationsfähigkeiten bei den angehenden Gesellen und Meistern vorhanden waren, die sich aber in den engen Grenzen eines planwirtschaftlichen Systems leider nicht voll entfalten konnten.

Heute gibt es nur noch wenige von diesen Spezialisten. Doch diese sind wieder sehr gefragt.

Erst kürzlich wurde in der Bundesrepublik Deutschland das Berufsbild des Uhrmachers um den Beruf des Uhrenrestaurators erweitert worden (Siehe dazu das PDF der Agentur für Arbeit mit der Tätigkeitsbeschreibung eines Uhrenrestaurators/-restauratorin vom 31.10.2005). Nach Lehre und praktischer Erfahrung oder Meisterprüfung kann man durch eine nochmalige Weiterbildung den Abschluss eines Uhrenrestaurators erwerben und ausüben. Im Zuge der Harmonisierung des Europäischen Rechts musste 2006 allerdings auf den Großen Befähigungsnachweis (Meister) als Grundlage für die Ausübung des Uhrmacherhandwerks verzichtet werden.

Auszüge aus dem 1953 in der damaligen DDR gültigen Berufsbildes für Uhrmacher[Bearbeiten]

Diese Auszüge verdeutlichen, wie anspruchsvoll eine Ausbildung zum Uhrmacher war und auch heute wieder ist.[1]

Die Arbeitsgebiete eines Uhrmachers beinhalten:

Gesellenarbeitan mit vorher unveredelten Werk Urofa 58
1951 hergestelltes Meisterstück einer Precis 61

Reparaturarbeiten an Hakenganguhren mit Geh-, Schlag-, Kuckuck- und Wachtelwerken.
Weckeruhren von der billigsten bis zur besten Qualität. Hausuhren, Pendulen, Regulatoren mit l/2 und 1/4 Schlag. Antike Uhren mit astronomischen Laufwerken.
Taschenuhren von Massenfabrikation bis zur feinsten Glashütter Präzisionsuhr. Armbanduhren von 13 bis 5 1/4" in allen technischen Ausführungen. Stoppuhren von 1/5 bis 1/1oo Sekunde.


Erwünscht war weiterhin die Reparaturen an elektrischen Uhren, Kontroll- und Signalanlagen mit Stark- und Schwachstrom sowie an feinsten Präzisionstaschenuhren mit Schlagwerk und besonderen Hemmungsteilen, Chronografen, Telemetern und Armbanduhren unter 5 1/4".

Die folgenden Kenntnisse und Fertigkeiten sollten in der Lehrzeit vermittelt werden:

Feilen, Bohren, Drehen, Richten, Biegen, Absägen, Senken, Nieten, Trennen, Gewindeschneiden, Messen, Anreißen, Einpassen, Schleifen, Polieren, Härten.
Weich- und Hartlöten. Wälzen von Rädern aller Art. Anfertigen von Teilen aus Roh- bzw. Halbfabrikaten. Füttern von Lagern bei Großuhren, Ersetzen von Lagersteinen durch Einpressen und Fassen bei Taschen- und Armbanduhren.

Eindrehen von Zylindern- und Unruhwellen. Anfertigen von Aufzugwellen, Stellhebeln und Auslösungshebeln aus Rohmaterial bei Groß- und Kleinuhren.
Anfertigung kleiner Werkzeuge, wie Bohrer, Gewindeschneideisen und Fassonstichel Pflege und Instandhaltung der Werkzeuge, Präzisionsmaschinen und der Einrichtungen.
Lesen und Anfertigen von Zeichnungen und Werkstattskizzen. Regulieren an Uhren aller Art.

Lehrplan für das Uhrmacherhandwerk 1. Lehrjahr:

a) Grundforderungen: 1. und 2. Vierteljahr: Kenntnisse der Werkzeuge. Einführung in die Metallkunde. Flach- und Rundfeilen, Bohren, Schleifen, Drehen.
3. Vierteljahr: Polieren. Härten der Metalle. Messen nach 1/1oo mm.
4. Vierteljahr: Anfertigung von Schrauben. Schleifen und Polieren.
b) Praktische Arbeiten:
1. Vierteljahr: Reparatur einer einfachen Uhr mit Hakenhemmung. Erklärung der Hakenhemmung.
2. Vierteljahr: Reparatur am Babywecker. Erklärung der Stiften- und der Grahamhemmung.
3. Vierteljahr: Reparatur an Schlaguhren mit Graham- hemmung.
4. Vierteljahr: Spiralarbeiten. Einstellen von Graham-Hemmung.

c) Kundendienst:
1. Vierteljahr: Uhrenarten und Warenkenntnisse.
2. Vierteljahr: Postabfertigung. Mithilfe bei Bestellungen.
3.Vierteljahr: Dekorieren des Schaufensters. Reklamevorschläge.
4. Vierteljahr: Aufstellen von Uhren beim Kunden.

Lehrplan für das Uhrmacherhandwerk 2. Lehrjahr:
a) Grundforderungen: 1. Vierteljahr: Dreharbeiten mit Support und Wiederholungsarbeiten.
2. Vierteljahr: Bohrarbeiten (feine Löcher) und Wiederholungsarbeiten.
3. Vierteljahr: Arbeiten an Aufzugwellen und Wiederholungsarbeiten.
4. Vierteljahr: Anfertigung von Zeigestellhebeln. Eindrehen eines Triebes.
b) Praktische Arbeiten:
1. Vierteljahr: Einführung zur Stiluhr. Einsteckweckeruhr.
2. Vierteljahr: Reparaturen an Bavariaweckern und Wiederholung an allen Großuhren.
3. Vierteljahr: Einführung in die Zylindertaschenuhr.
4. Vierteljahr: Einführung zur Ankertaschenuhr. Reparatur von Reiseuhren mit Schlagwerk.
c) Kundendienst: 1. und 2. Vierteljahr: Berechnungen der Reparaturpreise.
3. Vierteljahr: Ladentätigkeit — Kundendienst.
4. Vierteljahr: Eintragung in die Reparaturbücher.

Lehrplan für das Uhrmacherhandwerk 3. Lehrjahr:
a) Grundforderungen:
1. Vierteljahr: Anfertigung von Hebelfedern aller Art. Eindrehen eines Tampons.
2. Vierteljahr: Eindrehen von Unruhwellen und Wiederholungsarbeiten.
3. Vierteljahr: Setzen neuer Eingriffe und Wiederholungsarbeiten.
4. Vierteljahr: Vertiefung der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten.
b) Praktische Arbeiten: 1. Vierteljahr: Spiralarbeiten. Ersetzen von Lagersteinen.
2. Vierteljahr: Reparaturarbeiten an besseren Taschenuhren.
3. Vierteljahr: Aufsetzen neuer Spiralen. Einführung zur 10 1/2" Uhr, erwünscht 8 3/4" Uhr. Einführung in die Regulage.
4. Vierteljahr: Vertiefung der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten und Wiederholungsarbeiten.
c) Kundendienst: 1. Vierteljahr: Einführung in die Buchführung
2. Vierteljahr: Vertiefung der Buchführungskenntnisse
3. Vierteljahr: Kalkulation der Reparaturarbeiten an Taschen- und Armbanduhren.
4. Vierteljahr: Vertiefung der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten und Wiederholungsarbeiten.

Die Bereiche Zeichnen, Berechnungen sowie Fachkunde sind im Lehrplan der Berufsschule enthalten.

Präsentation der Meisterarbeit von Uhrmacher Meister Horst Orthmann / Neustadt-Glewe[Bearbeiten]

Die hier vorgestellte sehr aufwendige Überarbeitung & Verfeinerung einer Armbanduhr der Glashütter Uhrenbetriebe vom Kaliber 60 war Bestandteil der Prüfungsarbeit von Uhrmacher Meister Horst Orthmann zum Ablegen der Meisterprüfung vor der Prüfungskommission der Handwerkskammer des Bezirkes Schwerin (Land Mecklenburg) im Jahr 1957.

1957 hergestelltes Meisterstück mit Kaliber 60 der Glashütter Uhrenbetriebe VEB (GUB)
1957 für Uhrmacher Meister Horst Orthmann augestellter Meisterbrief


Bei diesem Meisterstück vom Kaliber 60 waren folgende Aufgabenstellungen zu lösen: Anfertigung und Montage verschraubter Chatons auf der Räderwerkbrücke
Anfertigen und Montage einer Unruhwelle mit Hebelscheibe
Anfertigung und Montage einer Ankerbrücke
Anfertigung und Montage eines Rückerzeigers
Anfertigung und Montage des oberen Minutenradlagers

Anfertigung und Montage eines Federkerns mit verlängerten Vierkant und verschraubten Sperrrad

Durch die bereits Anfang der 1950er Jahre erfolgte Umstrukturierung der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte zur Ingenieurschule für Feinwerktechnik, waren die Uhrmachermeister sozusagen die Letzten ihres Standes, die noch Gesellen ausbildeten. Eine hohe Verantwortung für den altehrwürdigen Berufsstand, auch wenn sich zu Ende der 1950er Jahre die Zukunft der elektischen und später der Quarzuhr, mit den bekannten Folgen für den Berufsstand, bereits am Zeithorizont abzuzeichnen begann. Die hier gezeigten Arbeiten stellen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem viel breiteren Spektrum der bei den Handwerkskammern der 14 Bezirke der ehemaligen DDR, vorgelegten Prüfungsarbeiten dar. Sie alle sind Beleg für die Fähigkeiten der Uhrmacher, die heute wieder sehr gefagt sind. [[Kategorie:Ausbildung]] |}


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