Diskussion:Rohwerk

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Ursprünglich war eine Uhr von Anfang bis zum Ende das Werk eines einzigen Handwerkers, des Uhrmachers. Der Begriff Ebauche bildete sich erst in Folge der zunehmenden Arbeitsteilung nach und nach heraus.


Im Gegensatz zu den vergleichsweise wenigen Manufakturen, die zumindest einen Teil der unverzichtbaren Rohwerke im eigenen Haus fertigen, kaufen die zahlreichen Etablisseure (Fertigsteller von Uhren) diese bei spezialisierten Rohwerkeherstellern ein.

Nur durch Verteilung der immensen Entwicklungskosten auf größere Stückzahlen halten sich die Preise für Rohwerke und damit auch für fertige Uhren im Rahmen des für Normalsterbliche Bezahlbaren. Vergleiche mit der Autoindustrie, wo zum Beispiel mehrere konkurrierende Unternehmen ein und denselben Motor verwenden, sind an dieser Stelle durchaus erlaubt.

Auf der anderen Seite hatte das unaufhaltsame Vordringen moderner Maschinen aber auch sein Gutes. Mit ihrer Hilfe ließ sich eines der heikelsten Probleme lösen: die Austauschbarkeit der Bestandteile eines Uhrwerks. Das Rohwerk als Präzisionsinstrument mußte vom Makel befreit werden, daß jede Reparatur eine aufwendige manuelle Nacharbeit auszuwechselnder Komponenten durch die Aristokraten unter den Uhrmachern, die Repasseure, verlangte.

Das Aufkommen von Maschinen begünstigte aber auch noch einen anderen wesentlichen Faktor in der Rohwerkefertigung: die Spezialisierung und Arbeitsteilung. Nicht jeder mußte zwangsläufig alles fertigen. Viel sinnvoller, qualitätssteigernder und zudem noch kostengünstiger war es, bestimmte Komponenten, unter anderem Steine, Unruh, Unruhspirale, Hemmungen, von qualifizierten Herstellern zu beziehen. Die längst zu einem festen Bestandteil der Uhrenindustrie zählenden »verwandten Branchen« entstanden.

Durch den Maschineneinsatz verloren die Rohwerke zwar ihre Individualität, aber das brachte auch Vorteile in mehrerer Hinsicht: Von der Präzisionssteigerung war bereits die Rede. Daneben dürfen die wirtschaftlichen Konsequenzen aber nicht übersehen werden. Durch moderne Produktionsmethoden konnten sich viele Rohwerkehersteller endlich emanzipieren. Die lange währende Bevormundung durch die Etablisseure wandelte sich. Zunehmend entwickelte sich die Ebauches-Fabrikation zu einem bedeutenden Machtfaktor in der eigenössischen und internationalen Uhrenindustrie.

Frédéric Japy rief 1770 eine Ebauchesfabrikation unter Einbeziehung moderner Maschinen und Technologien ins Leben. 1795 fertigte er jährlich 40.000 Rohwerke, zehn Jahre später waren es bereits mehr als 180.000, und 1813 lag der Ausstoß bei gut 300.000 Stück. Sein Unternehmen war das erste, auf das die Bezeichnung Fabrik zutraf. Deshalb verwundert es nicht, daß viele Etablisseure (Fertigsteller) im schweizerischen Jura und in der Metropole Genf bei Japy einkauften. Mit der Produktionssteigerung ging ein massiver Preisverfall einher. Das großseriell gefertigte Ebauche geriet zunehmend in die Bredouille. Im Zeitalter der Industrialisierung kristallisierten sich nämlich immer stärker die gewaltigen Diskrepanzen zwischen der »handgefertigten Luxusuhr« und den fabrikmäßig hergestellten Rohwerken heraus. Auf der einen Seite wurde der tickende Wegbegleiter als persönlicher Wertgegenstand betrachtet, der primär dem Geschmack des Besitzers zu entsprechen hatte und deshalb nicht anonym-seriell gefertigt sein durfte. Mit ihr ließ sich tatsächlich gutes Geld verdienen. Auf der anderen Seite standen die sogenannten »armen Verwandten«, und das waren eben die Rohwerke samt ihren Produzenten. Blickt man in die Geschichtsbücher der Genfer Uhrmacherei, wird man unschwer entdecken, daß die 1745 erlassenen »Satzungen betreffend das Uhrmachergewerbe« diesen Trend eingeleitet hatten, indem sie eine Verbannung der als minderwertig angesehenen Ebauches-Hersteller aus der Stadt bewirkten. Vor den Toren durften sie ihrer Arbeit nachgehen, und sie fanden in den mächtigen Genfer Etablisseuren auch weiterhin dankbare Abnehmer. Das weit einträglichere Fertigstellen und Vermarkten von Uhren wollte die chronometrische Upperclass indessen selbst besorgen.


Ein funktionsfähiges Uhrwerk besteht aus Ebauche (Rohwerk), Hemmung (Echappement), Unruhreif mit Spiralfeder, Zugfeder, Zifferblatt und Zeigern.

Unter Ebauche ist ein komplettes Werk (Platinen, Brücken, Rädersatz, Stahlteile ...) ohne Hemmung, Unruhreif, Spiralfeder, Zugfeder, Zifferblatt und Zeiger zu verstehen. Auf Wunsch ist es mit oder ohne eingepreßte Lagersteine erhältlich.

Quelle: Artikel von Gisbert L. Brunner aus dem Branchenmagazin Uhren Juwelen Schmuck, Mai 1998:

BVA Bielefelder Verlagsanstalt Ravensburger Straße 10F D-33602 Bielefeld

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