Olbrich
Mehrfachnennung
Die früheste Nachricht von einer Produktion in Wien findet sich in einer Annonce vom 9.3.1824 in der Wiener Zeitung, in der Anton Olbrich kund tut, „die bereits bekannte kleine Stahlfeder-Harmonie schon bis zu bedeutender Größe [...] ausgedehnt und vorzügliche Schönheit und Stärke des Tones erreicht zu haben“. A. Olbrich wurde der wichtigste Hersteller in Wien. Er war mit seinem Bruder Josef aus dem preußischen Wünschelburg zugezogen und ist mit 1.1.1821 als befugter Uhrmacher in Wien aktenkundig. Zunächst betrieben die Brüder die Herstellung gemeinsam, dann führten sie getrennte Geschäfte. A. Olbrich arbeitete bis 1861, gefolgt von seinem Sohn A. Olbrich jun., der bis 1892 lebte, J. Olbrich – er starb in den 1870er Jahren – fand in Josef Wyskocyl einen Nachfolger. Die Olbrichs produzierten gemeinsam rund 27.000 Werke, die Anzahl der signierten aber nicht nummerierten Instrumente der Spätzeit ist nicht abschätzbar, dürfte aber kaum nennenswerte Quantitäten mehr umfassen.
Ein weiteres Charakteristikum besteht darin, dass nach anfänglichen Experimenten mit der Größe der Spielwerke bald ein von Olbrich und Rzebitschek bis auf Details und Abweichungen in Millimeterbereich vollkommen gleich gestaltetes 2-Melodienwerk standardisiert wurde (s. Abb.), das auch sämtliche späteren Hersteller in Wien und Prag übernahmen und bis in das 20. Jh. herstellten.
A. Olbrich kündigte 1859 in einer Annonce seine Spielwerke „mit 2 bis 12 Piecen in allen Liedern, Tänzen etc sämmtlicher Nationen und des Orients“ an. Zur Typik der österreichischen K. gehört ferner die Art des musikalischen Arrangements, das sich durch klare Melodieführung auszeichnet und von zusätzlichen Verzierungen freigehalten ist. Die andernorts aufgekommenen „Spieldosenmanieren“ mit ihren Trillern, Arpeggien und Arabesken wurden von den Herstellern in Wien und Prag nicht übernommen.[1]
Personen
- Olbrich, Anton [2]
- Olbrich, Josef [3]
Quellen
Literatur
- Ch. Eric in Journal of Mechanical Music 41 (1995)
- L. Goldhoorn, Die Österr. Spielwerkemanufaktur [o. J.]
- L. Karp/M. Young in Journal of Mechanical Music 44/2 1998
- A. Kipper in Österr. Uhrmacher-Ztg. 1924
- H. Kowar, Spielwerke. Musikautomaten des Biedermeier aus der Slg. Sobek und dem MAK 1999
- H. Kowar in StMw 47 (1999)
- Z. Míka in Prazsky Sbornik Historicky 13 (1981)
- A. W. J. G. Ord-Hume in Journal of Mechanical Music 40/1 (1994)
- E. Saluz, [Kat.] Museum für Musikautomaten: Klingendes Erbe. Zürich (Schweizerisches Landesmuseum) 2000
- J. Slokar, Gesch. der österr. Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz 1. (1914).