Stellmann Juweliere und Uhrmacher: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | [[File:1922 nach Paul Wolf gestaltete und von M. Stellmann in Hannover gestiftete Monumentaluhr.jpg|thumb|200px|1922 nach Paul Wolf gestaltete und von M. Stellmann in Hannover gestiftete Monumentaluhr]] | ||
| − | Die Firma Stellman wurde im Jahr [[1886/de|1886]] gegründet von [[Stellmann, | + | Die Firma Stellman wurde im Jahr [[1886/de|1886]] gegründet von [[Stellmann, Moritz|Moritz Stellmann]] in Hamburg. Moritz war Uhrmacher und war mit seiner Firma von Anfang an die Haupt-Zweigniederlassung der Präzisionsuhrenfabrik [[A. Lange & Söhne / Glashütte i. Sa./de|A. Lange & Söhne]] und besaß zudem die Alleinvertretung für die Uhrenmarke [[Alpina/de|„Alpina“]]. Damals hieß es Union horlogère und wurde später in [[DUGENA|Alpina Deutsche Uhrmachergenossenschaft]] umgewandelt. Das Stellmannsche Unternehmen wurde in einem Eckladen gegründet und befand sich im Jahr [[1898/de|1998]] im Parterre und im 3. Stockwerk des Hauses Theaterstraße 1. Kurz nach der Jahrhundertwende kam [[Senn, Max|Max Senn]], der Sohn von [[Senn, Emil|Emil Senn]] und Frida Bürgin, aus der Schweiz nach Hannover, um ab [[1901/de|1901]] zeitweilig als Ausbilder im Stellmannschen Unternehmen tätig zu werden. Max Senn war nicht nur Uhrmacher, er sollte später ein berühmter Fußballer werden. Etwa zur gleichen Zeit lieferte Stellmann die im Inneren der hannoverschen Straßenbahnen angebrachten Uhren. [[1905/de|1905]] ernannte Großherzog Wilhelm Ernst des Großherzogtums Sachsen Stellmann zum „Großherzoglich Sächsischen Hofuhrmacher und Hoflieferanten“ . Das Unternehmen erhielt drei Mal das Prädikat als Hofuhrmacher und wurde auf verschiedenen Fachausstellungen prämiert. Von [[1906/de|1906]] bis [[1908/de|1908]] durchlief [[Stellmann, Max|Max Stellmann]] eine Ausbildung an der [[Deutschen Uhrmacherschule Glashütte]] und ging anschließend zurrück nach Hannover. Da trotz einer Verlegung der ersten Geschäftsräume in der Theaterstraße 1 in den größeren Nachbarladen der Platz im Lager und der Werkstatt bald nicht mehr ausreichte, baute Das Architekturbüro Mackensen & Torno von Wilhelm Mackensen und Fritz A. Torno in den Jahren [[1907/de|1907]] bis [[1908/de|1908]] ein Haus in der Königstraße 53 um und gestaltete es als Wohn- und Geschäftshaus für Stellmann neu. Das Gebäude ist heute nicht mehr erhalten. Die Königstraße, in der Nähe des Bahnhofs, wurde während des Zweiten Weltkriegs im Rahmen der schweren Luftangriffe, insbesondere während der Nacht vom [[9. Oktober]] [[1943/de|1943]], stark beschädigt oder zerstört. In dieser Nacht erlebte Hannover die verheerendsten Bombenangriffe, bei denen Hunderttausende Bomben fielen und ein Großteil der Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde, einschließlich großer Wohngebiete und historischer Bausubstanz. Dies könnte der Grund für das Verschwinden des ursprünglichen Gebäudes sein. |
| − | + | Eine amüsante Geschichte erzählt man sich über den [[1865/de|1865]] gegründeten Zoo in Hannover. Im Jahr [[1926/de|1926]] schrieb Stellmann einen Brief an die Zooleitung, in dem er erklärte, dass der Geruch einiger Tiere für Anwohner und Passanten unangenehm sei. Der Geruch kam nicht von den Fischoottern, wie Moritz vermutet hatte, sondern von den Seelöwen. Stellmanns Geschäft und Wohnhaus lagen unweit des Zoos. Die ganze Geschichte dieser Affäre kann man im Buch „Applaus der Robbe“ nachlesen (ab Seite 150) <ref>[[https://www.google.nl/books/edition/Applaus_der_Robbe/vFv0DwAAQBAJ?hl=nl&gbpv=1&dq=m.+stellmann+hannover&pg=PA152&printsec=frontcover Applaus der Robbe, Wiebke Maria Reinert 2020]</ref> | |
| − | Moritz Stellmann hatte im Laufe seines Lebens eine der größten Antiken-Uhrensammlungen in Deutschland aufgebaut und sich auch damit einen bedeutenden Namen gemacht. Dazu zählten mehr als 200 herausragende und tragbare Uhren des 16. bis zum 18. Jahrhundert. Dieser Teil der Stellmannschen Sammlung bot eine allgemeine Übersicht über die Entwicklung der Taschenuhren. Zur Sammlung zählten aber auch historische Sonnenuhren, antike Kunstuhren und kostbare Bronze-Pendulen. So erwarb Stellmann z. B. 1898 bei der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne eine in einem Gehäuse aus 18 Karat Roségold eingelassene, hochfeine, schwere Savonnette mit Viertelstundenrepetition. Die Uhr mit der Werksnummer 40736, die sich als einzige bekannte irreversibel um 1000 von der von dem Graveur in die Uhr eingeritzten Gehäusenummer unterscheidet, erhielt eine Werksverglasung von Lange & Söhne, ein Zifferblatt aus Emaille, ein 3/4-Platinenwerk, 2 Hämmer beziehungsweise 2 Tonfedern sowie eine Goldschrauben-Kompensations-Unruh. Das Stück wurde mehr als ein Jahrhundert später auf einer von [[Auktionen Dr. H. Crott|Auktionshaus Crott]] [[2016/de| | + | Moritz Stellmann hatte im Laufe seines Lebens eine der größten Antiken-Uhrensammlungen in Deutschland aufgebaut und sich auch damit einen bedeutenden Namen gemacht. Dazu zählten mehr als 200 herausragende und tragbare Uhren des 16. bis zum 18. Jahrhundert. Dieser Teil der Stellmannschen Sammlung bot eine allgemeine Übersicht über die Entwicklung der Taschenuhren. Zur Sammlung zählten aber auch historische Sonnenuhren, antike Kunstuhren und kostbare Bronze-Pendulen. So erwarb Stellmann z. B. 1898 bei der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne eine in einem Gehäuse aus 18 Karat Roségold eingelassene, hochfeine, schwere [[Savonnette]] mit [[Viertelstundenrepetition]]. Die Uhr mit der Werksnummer 40736, die sich als einzige bekannte irreversibel um 1000 von der von dem Graveur in die Uhr eingeritzten Gehäusenummer unterscheidet, erhielt eine Werksverglasung von Lange & Söhne, ein Zifferblatt aus Emaille, ein 3/4-Platinenwerk, 2 Hämmer beziehungsweise 2 Tonfedern sowie eine Goldschrauben-Kompensations-Unruh. Das Stück wurde mehr als ein Jahrhundert später auf einer von [[Auktionen Dr. H. Crott|Auktionshaus Crott]] [[2016/de|2016]] in Frankfurt am Main durchgeführten Versteigerung zum Schätzpreis zwischen 20.000 und 25.000 Euro angeboten. |
| − | Stellmanns patentierte Straßenbahn-Uhren waren über Jahrzehnte zu Tausenden ins In- und Ausland geliefert worden. Zudem lieferte das Unternehmen zahlreiche Uhren für den öffentlichen Raum, einige davon auch als Stiftungen. Der bekannteste Werbespruch des Unternehmens lautete im Volksmund seinerzeit: „Nach Stellmanns Uhren stellt man seine Uhren“. Für das heutige Eilenriedestadion stiftete M. Stellmann die Stadion-Uhr. | + | Stellmanns patentierte Straßenbahn-Uhren waren über Jahrzehnte zu Tausenden ins In- und Ausland geliefert worden. Zudem lieferte das Unternehmen zahlreiche Uhren für den öffentlichen Raum, einige davon auch als Stiftungen. Der bekannteste Werbespruch des Unternehmens lautete im Volksmund seinerzeit: „Nach Stellmanns Uhren stellt man seine Uhren“. Für das heutige Eilenriedestadion stiftete M. Stellmann die Stadion-Uhr, damals Hindenburg-Stadion <ref>[https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/deutuh_318541912-19220100/deutuh_318541912-19220100_tif/jpegs/00000328.tif.pdf Eine Monumentaluhr im Hindenburg-Stadion in Hannover]</ref>. [[1926/de|1926]] ging das Unternehmen von Max Stellmann auf seine beiden Söhne über. Anlässlich des 50sten Gründungsjubiläums des Unternehmens wurde der Firmengründer Stellmann senior [[1936/de|1936]] zum Ehrenmeister der Handwerkskammer Hannover ernannt. Im Jahr arbeitete der Uhrmacher [[Schiergott, Paul|Paul Schiergott]] bereits 40 Jahre für das Unternehmen. Die Geschäftsführung lag zu dieser Zeit bei Dorothea Stellmann. Am [[1. März]] [[1955/de|1955]] arbeitete der Uhrmacher Paul Schiergott seit 40 Jahren für das Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Unternehmen von Dorothea Stellmann geleitet. |
| + | Uhren-Stellmann beging im Jahr [[1961/de|1961]] das 75-jährige Gründungsjubiläum. Die Wohnadresse lautete nun Gellerstraat 9. Etwa zur gleichen Zeit trug das Unternehmen durch die Lieferung von Abbildungsunterlagen am [[1962/de|1962]] herausgegebenen Werk zur „Kulturgeschichte der Schraube“ bei. Im hannoverschen Adressbuch von [[1975/de|1975]] taucht das Unternehmen M. Stellmann nicht mehr auf. <ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/M._Stellmann M. Stellmann, Wikipedia (de)</ref> | ||
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Version vom 30. November 2025, 22:36 Uhr
Deutscher Juwelier - Uhrmacher und Uhrenhandel
Die Firma Stellman wurde im Jahr 1886 gegründet von Moritz Stellmann in Hamburg. Moritz war Uhrmacher und war mit seiner Firma von Anfang an die Haupt-Zweigniederlassung der Präzisionsuhrenfabrik A. Lange & Söhne und besaß zudem die Alleinvertretung für die Uhrenmarke „Alpina“. Damals hieß es Union horlogère und wurde später in Alpina Deutsche Uhrmachergenossenschaft umgewandelt. Das Stellmannsche Unternehmen wurde in einem Eckladen gegründet und befand sich im Jahr 1998 im Parterre und im 3. Stockwerk des Hauses Theaterstraße 1. Kurz nach der Jahrhundertwende kam Max Senn, der Sohn von Emil Senn und Frida Bürgin, aus der Schweiz nach Hannover, um ab 1901 zeitweilig als Ausbilder im Stellmannschen Unternehmen tätig zu werden. Max Senn war nicht nur Uhrmacher, er sollte später ein berühmter Fußballer werden. Etwa zur gleichen Zeit lieferte Stellmann die im Inneren der hannoverschen Straßenbahnen angebrachten Uhren. 1905 ernannte Großherzog Wilhelm Ernst des Großherzogtums Sachsen Stellmann zum „Großherzoglich Sächsischen Hofuhrmacher und Hoflieferanten“ . Das Unternehmen erhielt drei Mal das Prädikat als Hofuhrmacher und wurde auf verschiedenen Fachausstellungen prämiert. Von 1906 bis 1908 durchlief Max Stellmann eine Ausbildung an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte und ging anschließend zurrück nach Hannover. Da trotz einer Verlegung der ersten Geschäftsräume in der Theaterstraße 1 in den größeren Nachbarladen der Platz im Lager und der Werkstatt bald nicht mehr ausreichte, baute Das Architekturbüro Mackensen & Torno von Wilhelm Mackensen und Fritz A. Torno in den Jahren 1907 bis 1908 ein Haus in der Königstraße 53 um und gestaltete es als Wohn- und Geschäftshaus für Stellmann neu. Das Gebäude ist heute nicht mehr erhalten. Die Königstraße, in der Nähe des Bahnhofs, wurde während des Zweiten Weltkriegs im Rahmen der schweren Luftangriffe, insbesondere während der Nacht vom 9. Oktober 1943, stark beschädigt oder zerstört. In dieser Nacht erlebte Hannover die verheerendsten Bombenangriffe, bei denen Hunderttausende Bomben fielen und ein Großteil der Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde, einschließlich großer Wohngebiete und historischer Bausubstanz. Dies könnte der Grund für das Verschwinden des ursprünglichen Gebäudes sein.
Eine amüsante Geschichte erzählt man sich über den 1865 gegründeten Zoo in Hannover. Im Jahr 1926 schrieb Stellmann einen Brief an die Zooleitung, in dem er erklärte, dass der Geruch einiger Tiere für Anwohner und Passanten unangenehm sei. Der Geruch kam nicht von den Fischoottern, wie Moritz vermutet hatte, sondern von den Seelöwen. Stellmanns Geschäft und Wohnhaus lagen unweit des Zoos. Die ganze Geschichte dieser Affäre kann man im Buch „Applaus der Robbe“ nachlesen (ab Seite 150) [1]
Moritz Stellmann hatte im Laufe seines Lebens eine der größten Antiken-Uhrensammlungen in Deutschland aufgebaut und sich auch damit einen bedeutenden Namen gemacht. Dazu zählten mehr als 200 herausragende und tragbare Uhren des 16. bis zum 18. Jahrhundert. Dieser Teil der Stellmannschen Sammlung bot eine allgemeine Übersicht über die Entwicklung der Taschenuhren. Zur Sammlung zählten aber auch historische Sonnenuhren, antike Kunstuhren und kostbare Bronze-Pendulen. So erwarb Stellmann z. B. 1898 bei der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne eine in einem Gehäuse aus 18 Karat Roségold eingelassene, hochfeine, schwere Savonnette mit Viertelstundenrepetition. Die Uhr mit der Werksnummer 40736, die sich als einzige bekannte irreversibel um 1000 von der von dem Graveur in die Uhr eingeritzten Gehäusenummer unterscheidet, erhielt eine Werksverglasung von Lange & Söhne, ein Zifferblatt aus Emaille, ein 3/4-Platinenwerk, 2 Hämmer beziehungsweise 2 Tonfedern sowie eine Goldschrauben-Kompensations-Unruh. Das Stück wurde mehr als ein Jahrhundert später auf einer von Auktionshaus Crott 2016 in Frankfurt am Main durchgeführten Versteigerung zum Schätzpreis zwischen 20.000 und 25.000 Euro angeboten.
Stellmanns patentierte Straßenbahn-Uhren waren über Jahrzehnte zu Tausenden ins In- und Ausland geliefert worden. Zudem lieferte das Unternehmen zahlreiche Uhren für den öffentlichen Raum, einige davon auch als Stiftungen. Der bekannteste Werbespruch des Unternehmens lautete im Volksmund seinerzeit: „Nach Stellmanns Uhren stellt man seine Uhren“. Für das heutige Eilenriedestadion stiftete M. Stellmann die Stadion-Uhr, damals Hindenburg-Stadion [2]. 1926 ging das Unternehmen von Max Stellmann auf seine beiden Söhne über. Anlässlich des 50sten Gründungsjubiläums des Unternehmens wurde der Firmengründer Stellmann senior 1936 zum Ehrenmeister der Handwerkskammer Hannover ernannt. Im Jahr arbeitete der Uhrmacher Paul Schiergott bereits 40 Jahre für das Unternehmen. Die Geschäftsführung lag zu dieser Zeit bei Dorothea Stellmann. Am 1. März 1955 arbeitete der Uhrmacher Paul Schiergott seit 40 Jahren für das Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Unternehmen von Dorothea Stellmann geleitet.
Uhren-Stellmann beging im Jahr 1961 das 75-jährige Gründungsjubiläum. Die Wohnadresse lautete nun Gellerstraat 9. Etwa zur gleichen Zeit trug das Unternehmen durch die Lieferung von Abbildungsunterlagen am 1962 herausgegebenen Werk zur „Kulturgeschichte der Schraube“ bei. Im hannoverschen Adressbuch von 1975 taucht das Unternehmen M. Stellmann nicht mehr auf. [3]
Quellen
Weiterführende Informationen
- Bildgalerie Uhrenmodelle Stellmann Juweliere und Uhrmacher
- Bildgalerie Uhrwerke Stellmann Juweliere und Uhrmacher
- Bildgalerie Uhrwerke Stellmann Juweliere und Uhrmacher
- ↑ [Applaus der Robbe, Wiebke Maria Reinert 2020
- ↑ Eine Monumentaluhr im Hindenburg-Stadion in Hannover
- ↑ [https://de.wikipedia.org/wiki/M._Stellmann M. Stellmann, Wikipedia (de)