Der Planeten wundersamer Lauf. Eine Himmelsmaschine für Kurfürst August von Sachsen

Angebote auf Amazon ▸▸    Angebote auf Ebay ▸▸

Aus Watch-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Kabinettausstellung des Mathematisch-Physikalischen Salons

Planetenuhr von Eberhard Baldewein. Gefertigt für den Kurfürst August von Sachsen.

Dresden, den 2. Mai 2017

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Der Planeten wundersamer Lauf. Eine Himmelsmaschine für Kurfürst August von Sachsen“ vom 12. Mai bis 16. Juli 2017 im Mathematisch-Physikalischen Salon steht die raffinierteste und schönste Maschine der Renaissance: eine „Planetenuhr“. Sie wurde unter der Leitung von Eberhard Baldewein zwischen 1563 und 1568 für den sächsischen Kurfürsten geschaffen. Neben der Dresdner Planetenuhr sind weltweit nur insgesamt drei weitere so komplexe Himmelsmaschinen aus dem 16. Jahrhundert in Paris, Wien und Kassel erhalten.

Den gestirnten Himmel zu begreifen, gehört zu den ältesten Träumen der Menschheit. Schon in der Antike vermaßen Astronomen den Himmel und Mathematiker entwarfen geometrische Theorien, um die Bewegungen der Gestirne vorherzusagen. Fast ebenso alt sind Versuche, diese Theorien des Kosmos grafisch darzustellen. Die Planetenuhr, die seit ihrer Fertigstellung in Dresden steht, stellt den Höhepunkt dieser jahrhundertealten Tradition dar. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Getriebes bilden ihre Zifferblätter alle sichtbaren Gestirnsbewegungen in Echtzeit nach. Sowohl aus technischer als auch künstlerischer Sicht handelt es sich zweifellos um ein Meisterwerk. Zugleich ist die Dresdner Planetenuhr die aufwändigste didaktische Multimedia-Technologie der Renaissance.

Den wenigsten der heutigen Besucher ist das astronomische Wissen, auf welches die Planetenuhr Bezug nimmt, geläufig. Auch ihr kulturgeschichtlicher Kontext ist aus heutiger Sicht fremd geworden. Aus diesem Grund unterstützt die Kulturstiftung des Bundes das Projekt „Fürstliche Himmelsmaschinen“ an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Erschließung und Vermittlung der Planetenuhren der Renaissance. In Rahmen des Projekts wurde eine besondere Intervention in der Dauerausstellung des Museums realisiert, um Funktionsweise und Geschichte dieses außergewöhnlichen Objekts plastisch zu vermitteln. Durch einen Rundgang von fünf Stationen unmittelbar neben der Planetenuhr können sich neugierige Besucher ohne spezielles Vorwissen mit der Uhr schrittweise vertraut machen. Haptische Modelle und neu produzierte Animationsfilme, die in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Computergrafik der Hochschule für Wirtschaft und Technik Dresden entwickelt wurden, bringen den Himmel in der Ausstellung zum Greifen nah. Sie verdeutlichen die Herausforderungen, die die Konstrukteure der Uhr meistern mussten, und führen vor Augen, wie wichtig das Wissen um die Planeten für Herrscher wie August war. Zusätzlich werden in einem Parcours durch die Dauerausstellung des Mathematisch-Physikalischen Salons ausgewählte Objekte in Bezug zur Planetenuhr gesetzt.

Das 16. Jahrhundert ist eine Epoche, in der das tradierte astronomische Wissen nicht mehr nur rezipiert, sondern zunehmend kritisiert und durch zeitgenössische Forschungen neu bewertet wurde. Dies zeigt sich nicht nur im astronomischen Schriftenkorpus, sondern auch in den berühmtesten mechanischen Nachbildungen des Himmels, die die Renaissance hervorbrachte: den uhrwerksgetriebenen Planetarien oder „Planetenuhren“.

Im Zentrum eines von der Museum & Research Foundation GmbH 2014/2015 geförderten Forschungsprojekts „Deus ex Machina“ standen die beiden Planetenuhren, die Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, selbst einer der renommiertesten praktizierenden Astronomen des 16. Jahrhunderts, in den 1560er Jahren herstellen ließ: sein eigenes Exemplar, heute im Astronomisch-Physikalischen Kabinett in Kassel, und die von seinem Schwager Kurfürst August von Sachsen bestellte Uhr, heute im Mathematisch-Physikalischen Salon (MPS) in Dresden. Neben diesen beiden sind nur noch zwei weitere Planetenuhren aus dem 16. Jahrhundert erhalten: die sogenannte Fine-Uhr, heute in der Bibliothèque Saint Geneviève in Paris, und die Imser-Uhr, heute im Technischen Museum in Wien. Diese, von den Zeitgenossen vielfach bestaunten Wunder der Uhrmacherkunst zeigen in Echtzeit an, wo sich die sieben klassischen „Planeten“ – Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn sowie Sonne und Mond – von der Erde aus gesehen am Himmel befinden und bilden den ungleichförmigen Lauf der sieben Wandelsterne nach.

Eine Untersuchung dieser vier Uhren sowie die Studie zugehöriger Handschriften haben nun aufgezeigt, dass sie fertigungstechnisch und in ihren theoretischen Ansprüchen markante Unterschiede aufweisen. Vor allem über den Herstellungsprozess der Kasseler und der Dresdener Uhr liegen bedeutende neue Erkenntnisse vor. Zudem zeichnet sich ab, dass in diesen beiden Uhren nicht nur aus der Antike und aus dem islamischen Mittelalter tradierte astronomische Parameter materialisiert worden sind, sondern auch eigene Messungen von Landgraf Wilhelm IV. selbst und seinen Hofastronomen. Möglicherweise lassen die Feinheiten des Getriebes sogar die Geburtsstunde einer neuen astronomischen Theorie erkennen.

Um diese wissenschaftshistorisch neuen Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen, sollen die vier Uhren 2020 in einer großen Sonderausstellung erstmals in direkte Beziehung gesetzt werden. Ziel ist zu vermitteln, was diese großartigen technologischen Artefakte ihren damaligen Besitzern angezeigt haben, welche technischen Leistungen erforderlich waren, um die beobachteten Unregelmäßigkeiten der Planetenbewegung mechanisch nachzustellen, welche Bedeutung diese Uhren im großen Kontext der Geschichte des Wissens gehabt haben und welche spezifische Rolle sie in einem höfischen Zusammenhang als Symbole und Werkzeuge des Wissens und der fürstlichen Legitimation spielten.

Die Vermittlung dieser Themen kann nur mit gut durchdachten Konzepten gelingen, und genau diese Vermittlungsstrategie wird in der aktuellen Sonderausstellung „Der Planeten wundersamer Lauf“ erarbeitet und evaluiert. Eine Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes ermöglichte dem MPS, 18 Monate lang mit dem Wissenschaftshistoriker Dr. Samuel Gessner (Lissabon) zusammenzuarbeiten. Hierfür wurden „Best Practices“ an international führenden Häusern studiert und „Erlebnisstationen“ entwickelt, die dann in der Kabinettausstellung unmittelbar um die Planetenuhr in Dresden erprobt werden. Mit Unterstützung der Museumslandschaft Hessen Kassel wird die Ausstellung ab August 2017 in verwandter Form um die Kasseler Uhr gezeigt. Ziel dieser beiden Ausstellungen ist, die Erfahrungen der Besucher mit filmischen und haptischen Medien zu evaluieren, um eine fundierte Basis für die Vermittlung aller vier Planetenuhren, wahrlich Objekte des europäischen Kulturerbes, in der später geplanten internationalen Ausstellung zu schaffen.

Ausstellungsort

Langgalerie des Mathematisch-Physikalischen Salons (diesen Ort anzeigen)

Zeitraum der Ausstellung

12. Mai bis 16. Juli 2017

Öffnungszeiten

10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

Anzeigen

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Drucken/exportieren
Werkzeuge