Nachruf Walter Lange

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Glashütte, 17. Januar 2017

Walter Lange vor der Büste seines Urgroßvaters Ferdinand Adolph Lange.
Walter Lange wurde am 25. November 2015 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Walter Lange (1924-2017)

Nicht viele Menschen nehmen es auf sich, in einem Alter, in dem andere sich zur Ruhe setzen, noch ein Unternehmen zu gründen. Walter Lange hat nicht einen Augenblick gezögert, als sich ihm 1990 die Gelegenheit bot, das durch Kalten Krieg und Deutsche Teilung unterbrochene Werk seiner Vorfahren wieder aufzunehmen. Da war er 66. Die Wiedervereinigung Deutschlands hatte ein historisches Zeitfenster für den Urenkel Ferdinand Adolph Langes, des Gründers der sächsischen Feinuhrmacherei, geöffnet. Ihm gelang es, den Mythos der 1845 gegründeten Traditionsmarke nach einer über 40 Jahre dauernden Zwangspause neu erstehen und erfolgreich gegen eine mächtige Schweizer Konkurrenz antreten zu lassen. Die kühne Idee, die berühmteste Uhrenmarke Deutschlands zu neuem Leben zu erwecken, besaß so viel Kraft, dass sie ihren Weg in die Realität fand.

Mit einem kleinen, engagierten Team genialer Konstrukteure und Uhrmacher fanden er und sein Partner Günter Blümlein eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie eine Uhr von A. Lange & Söhne am Ende des 20. Jahrhunderts auszusehen hatte. Gemeinsam verstanden sie es, die Menschen ihrer Umgebung für das ehrgeizige Ziel zu gewinnen, in Glashütte wieder die besten Uhren der Welt zu bauen. Das Beispiel seines Vorfahren hatte Walter Lange gelehrt, dass man auch unter extremen Bedingungen ein erfolgreiches Unternehmen gründen und zum Erfolg führen kann. Dass es vor allem darauf ankommt, an den bis zum Ende durchdachten Plan zu glauben und bei seiner Umsetzung auf das Engagement und die Fähigkeiten anderer Menschen zu vertrauen. Es war die von Generation zu Generation weitergegebene Botschaft, von deren Richtigkeit Walter Lange zutiefst überzeugt war.

Als gelernter Uhrmacher hatte er nach dem Krieg noch selbst den Wiederaufbau des familiären Betriebs unter schwierigsten Bedingungen mitgestaltet, bis die Enteignung den Hoffnungen ein Ende setzte. Eine Erfahrung, die ihn geprägt aber nicht verbittert hatte. So reiste er ab Mitte der 1970er Jahre regelmäßig zu Besuchen ins Erzgebirge, um den Kontakt zu den Menschen seiner Heimat nicht abreißen zu lassen. Die Sicherung ihrer Existenz war ihm ein persönliches Anliegen, als er sich entschied, die Vision eines Comebacks von A. Lange & Söhne Wirklichkeit werden zu lassen.

Mit seinem untrüglichen Gespür für Qualität setzte Walter Lange sich ebenso für die Bewahrung handwerklicher Traditionen ein wie für die Entwicklung technischer Innovationen. Unter seiner Ägide entstanden Zeitmesser, die einem klassischen handwerklichen Ideal folgten und dabei technisch von höchster Modernität waren. Damit trafen sie den Nerv einer Zeit, die die Faszination mechanischer Uhren gerade erst wiederentdeckt hatte. Die seit ihrer Präsentation in der ersten Kollektion zum Gesicht der Marke gewordene LANGE 1 bietet dafür das beste Beispiel. Sowohl das Großdatum als auch die dezentrale Zifferblattanordnung waren zum Zeitpunkt ihres Erscheinens revolutionär.

Nach einer langen Reihe uhrmacherischer Erfolge hat A. Lange & Söhne sich in mehr als 60 Ländern als eine der exklusivsten Uhrenmarken etabliert. Aus der kleinen Pioniermannschaft sind mittlerweile 770 Mitarbeiter geworden, und aus der ersten Kollektion von vier Uhren entstanden fünf klar profilierte Modellfamilien. Die außergewöhnliche Produkt- und Designqualität der Uhren von A. Lange & Söhne wurde bis heute mit mehr als 250 internationalen Auszeichnungen gewürdigt. Diese eindrucksvolle Entwicklung wäre ohne die Pionier- und Aufbauleistung Walter Langes nicht möglich gewesen. Für sie wurde er 1998 mit dem Verdienstorden des Freistaats Sachsen und 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Als Botschafter der Marke und Berater blieb Walter Lange dem von ihm gegründeten Unternehmen noch lange nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsführung verbunden. In einem der für ihn typischen Sätze sagte er einmal: „Ich bin die Brücke zu unserer Vergangenheit.“ Doch er war viel mehr. Durch seinen Mut, seinen Weitblick, seinen kritischen Geist und sein aufrichtiges Interesse an den Menschen seiner Umgebung wirkte er nicht nur als Symbol der Kontinuität, sondern auch als Identifikation stiftende Vaterfigur. Das von ihm ins Leben gerufene Werk hat sich längst verselbstständigt und wächst – darin liegt seine wahre Größe – unabhängig von der Person des Gründers weiter. Doch das Vorbild des am 17. Januar 2017 im Alter von 92 Jahren nach einem erfüllten Leben verstorbenen Menschenfreunds prägt die Kultur des Unternehmens.

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