Cajetano's astronomische Uhr

Angebote auf Amazon ▸▸    Angebote auf Ebay ▸▸

Aus Watch-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Cajetano's astronomische Uhr


Zifferblatt David Cajetano's Astronomische Uhr

David Cajetano's Hauptwerk besteht in einer astronomischen Uhr, welche er am 21. März 1769 nach jahrelanger Arbeit fertig stellte. Die schwierigen Berechnungen, die dieses Werk erforderte und die vorzügliche Ausführung der Uhr zeugen von der hohen Begabung und von den großen Fähigkeiten dieses hervorragenden Künstlers.

Über seine Arbeiten gab er verschiedene Schriften heraus. Die astronomische Uhr des Cajetano ist ein Meisterwerk deutschen Fleißes und die Differentialräderwerke, die sie enthält, die man nirgends vordem in so reichem Maße angewendet findet, sind auch die Frucht deutscher Erfindung. Die Uhr, welche später vom Kloster 1835 verkauft und in verschiedene Hände überging, befindet sich jetzt (1902) in der Abtei des Stiftes Zwettl in Nieder-Österreich. Der frühere Abt dieses Stiftes Augustin Steininger erwarb s. Zt. die Uhr von dem Wiener Uhrmacher Lutz (? 1880) und zahlte dafür den verhältnismäßig sehr niedrigen Preis von 1200 fl.

Die Uhr funktioniert bis heute (1902) tadellos, sie hat Grahamgang, 26 Pfund Gewicht und wird alle Monate aufgezogen. Sie hat zwei Zifferblätter, wovon das vordere das Hauptblatt ist und folgende Einrichtung zeigt:

Das Zifferblatt hat eine Höhe von 760 mm und eine Breite von 470 mm. In der Mitte des Blattes sieht man eine runde Öffnung von 210 mm im Durchmesser. Innerhalb dieser Öffnung bewegt sich eine runde Scheibe, die in zweimal 12 Stunden eingeteilt ist, welche die Tages- und Nachtstunden vorstellen. Außerhalb dieses Stundenringes ist ein anderer größerer zu sehen, auf dessen äusserstem Ende die Laufbahn der Sonne mit den 12 Himmelszeichen an ihrem gehörigen Orte von Grad zu Grad eingeteilt, in die Augen fällt. Innerhalb dieses Sonnenbahnringes befindet sich ein anderer, der die 12 Monate mit ihren Tagen enthält. Er hat 4 Abteilungen, die drei ersten für die drei gemeinen Jahre, die vierte für das Schaltjahr, damit in jedem vierten Jahr der Hornung den gehörigen Schalttag erhält.

Aus dem Mittelpunkt der Scheibe gehen 5 Zeiger, die bis an die Linie der Sonnenbahn und der Monatstage reichen. Sie dienen dazu, genannte Linien nach den Graden der Sonnenbahn und der Monatstage zu messen und zu zählen. Zwischen dem Stundenringe und dem Ringe der Sonnenbahn befindet sich ein Raum von 80 mm, der in 12 gleiche Kreise geteilt ist. der Durchmesser (Diameter) jeder dieser Kreise hält 80 mm und jeder Kreis ist mit einem oder mehreren Zeigern versehen, auch haben sie ihre besondere Vorstellungen.

Diese eben gesagten Vorstellungen sind folgende: Der Erste, als der Unterste, stellt vor die gemeinen Stunden und Viertel. Der Zweite, von linker Hand aufwärts gezählt, bemerkt den Lauf des Irrsterns oder Planetenmerkurs. Der Dritte die Tage der Wochen, als Sonntag, Montag etc. Der Vierte die Tage, welche von der Zeit an verflossen, als der Mond im Knoten (Nodo) war, oder noch bevorstehen, bis er wieder darin kommt, nebst seiner Abweichung vom der Laufbahn der Sonne. Der Fünfte den Lauf des Planeten Jupiter. Der Sechste den jährlichen Überschuss des Sonnenjahres über das Mondjahr wie auch zugleich die goldene Zahl und der Römer Zinszahl. Der Siebente den Lauf des Planeten Saturns und den Fern- und Nahepunkt der Sonne. Der Achte den Sonnenzirkel und den Sonntagsbuchstaben. Der Neunte den Lauf des Planeten Mars. Der Zehnte die Veränderungen des Mondes nach seinem ab- und zunehmenden Lichte. Der Elfte, jene Zeit, die vorbei streicht, indem der Mond von seinen Fernpunkt weggeht und wieder zur selben zurückkehrt. Der Zwölfte den Lauf des Planeten Venus.

Oben in dem Uhrblatt in einer Höhe von 235 mm, aus der Mitte in den Ecken zu beiden Seiten, sind zwei Kugeln angebracht, deren eine die Veränderungen des Mondlichtes, die andere die Verschiedenheiten der Finsternisse darstellt. Am obersten Ende des Uhrblattes in der Mitte sieht man 5 Scheiben, wovon die größte einen Durchmesser von 230 mm hat und den Stundenring der deutschen Uhr vorstellt, während die zweite Scheibe die italienische oder welsche Uhr darstellt. Die dritte Scheibe stellt die Sonnenbahn mit ihren 12 Himmelszeichen samt den Tagen und Monaten des Jahres vor und die vierte Scheibe die Bewegung der Sonne. Die fünfte Scheibe die Bewegung des Mondes. Der Zeiger, welcher sich auf Mitte dieser Scheibe bewegt, hat die Gestalt eines Drachen.

In jenem Raume des Uhrblattes, wo die oben erwähnten 12 Kreise angebracht sind, befinden sich auch vier Öffnungen, durch welche die Jahreszahl, die wir erlebt haben, hervor scheint; in der Abbildung zeigt die Uhr das Jahr, in welches sie gefertigt wurde. Es wird allemal am ersten Tage des Januar die ausgediente Jahreszahl automatisch ausgehoben und an deren Stelle die neue gerückt, diese Wirkung ist auf 10 tausend Jahre eingerichtet.

Was nun die in der Mitte des Uhrblattes befindlichen fünf Zeiger anbelangt, so bezeichnet der, worauf sich das Bild der Sonne befindet, den Lauf der Sonne. Ferner deutet er auch an die Grade der Zeichen in der Sonnenbahn von Tag zu Tag und zwar dergestalt, dass man in jeder Sekunde die Bewegung der Sonne in ihrer Laufbahn vor Augen hat. Die übrigen vier großen Zeiger stellen die Bewegungen des Mondes vor; der Zeiger, welcher auf beiden Seiten das Bild des Mondes trägt, zeigt die mittlere Bewegung des Mondes an. Der Zeiger, der seinen Mittelpunkt außer dem Mittelpunkt der Übrigen hat, bezeichnet den wahren Lauf des Mondes und der kürzere Zeiger, welcher auf einer Seite gegen den Mittelpunkt ein A, auf der anderen ein P bildet, stellt den Nahe- und Fernpunkt des Mondes von der Erde vor. Der vierte Zeiger endlich, welcher auf beiden Seiten das Zeichen des Drachen zeigt, gibt die Knoten des Mondes an, d.h. jene Punkte, in welchen die Bahn des Mondes die Bahn der Sonne durchschneidet.

Der in der Mitte des Uhrblattes sich befindende Stundenring dient dazu, verschiedene Mittagslinien zu finden und den Unterschied der Mittagsstunden zwischen Wien und anderen gegebenen Orten zu bestimmen. Unten in dem Uhrblatte sind die Namen der bekanntesten Orte zu sehen, jeder Ort ist mit einer Ziffer versehen, welche auch außerhalb des Stundenringes angebracht sind. Die Zahl zwölf auf gedachtem Stundenringe vertritt die Stelle eines Zeigers; auf was für eine Ziffer die Zwölfe zu stehen kommt, wird eben diese Ziffer unten die Mittagsstunde desjenigen Ortes, welchem die betreffende Ziffer gegeben ist, zeigen. Steht z.B. die Zwölfe über der Ziffer 15 auf der Morgenseite, so findet man unten (siehe Abbildung links) bei 15 Damaskus, an diesem Orte wird es also 12 Uhr Mittags sein, während es in Wien 10 Uhr ist. Die entgegengesetzte 12 zeigt stets die Mitternachtsstunde.

Was nun den im oberen Teil des Uhrblattes befindlichen Zeiger in Gestalt eines Drachen anbetrifft, so zeigt derselbe, ob die Sonne nahe oder fern vom Kopfe oder Schweife des Drachen steht. Dieser Zeiger vollendet seinen Lauf in der Sonnenbahn, welche durch die dritte Scheibe dargestellt wird, in 18 Jahren. Zum Schluss sei noch bemerkt, dass alle Teile des kunstreichen Werkes nach der Reihenfolge, wie sie in einander greifen, nummeriert sind, so dass man ohne viele Mühe die Uhr leicht zerlegen und wieder zusammensetzen kann.

Heute (2010) steht diese Uhr im Wiener Uhrenmuseum.

Literatur [Bearbeiten]

Anzeigen

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Drucken/exportieren
Werkzeuge