Nachbericht zur 94. Auktion am 12. November 2016 im Sheraton Hotel, Frankfurt Flughafen

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Nachbericht zur 94. Auktion am 12. November 2016 im Sheraton Hotel, Frankfurt Flughafen

Auktionen Dr. Crott
William Anthony, London, Geh. Nr. 2072, circa 1790
Wiener Karossenuhr mit Viertelstundenselbstschlag - "Grande Sonnerie", Viertelstundenschlagwerk-"Repetition", Wecker und Scherenhemmung, Mathias Wibral in Wien, Nr. 42, circa 1810
David Buschmann in Augsburg, Telleruhr, circa 1680 (1).jpg
Pendule "Triple Mystère" Pendule um 1850
Hans Abeler, Münster i.W. Chronometer, 1927

Auktionen Dr. H. Crott

Mannheim, 12. November 2016.

Es hat nach der Veröffentlichung des neuen Kataloges nicht lange gedauert, bis abzusehen war, dass diese 94. keine gewöhnliche Auktion werden würde. Die Anzahl der schriftlichen Vorgebote und der Gebote aus dem Internet wuchs so schnell wie nie zuvor – aber wenn ein ganzes Museum versteigert wird, dann ist das eben auch ein außergewöhnliches Ereignis.

Das weltbekannte Wuppertaler Uhrenmuseum wurde im September geschlossen und seine Bestände dem Auktionshaus zur Versteigerung übergeben. Sie bildeten den zweiten Teil dieser Auktion, und schon am Vorbesichtigungs-Freitag war der Zulauf enorm. Entsprechend eng ging es am Samstag im Skyloft des Sheraton Hotels am Frankfurter Flughafen zu, als Stefan Muser mit dem ersten Teil startete, der mit immerhin 429 Katalognummern selbst nicht weit vom Umfang einer ganzen Auktion entfernt war – es würde ein langer Nachmittag werden.

Als Einstieg eine Glashütter Strecke von 75 Losnummern mit der Katalognummer 30 als erstem Höhepunkt: Die einzigartige Glashütter Savonnette mit „Grande Sonnerie" und Goldanker der Uhrenfabrik Union Glashütte mit der Werknummer 43214, nur zwei Jahre nach Gründung der Manufaktur 1895 als Demonstration der Leistungsfähigkeit der Uhrenfabrik gefertigt, war einem Sammler 80.000 Euro wert.

Neben den Glashütter Taschenuhren, die auf reges Interesse stießen, waren es vor allem Armbanduhren von A. Lange & Söhne, die bemerkenswerte Zuschläge erhielten. Die rotgoldene Lange & Söhne „1815 Mondphase" [15] in limitierter Serie erzielte 21.500 Euro, das Sondermodell „Huber" einer „1815 Kalenderwoche" [71] im Platingehäuse 27.800 Euro. Platin ebenso bei den folgenden Uhren: Die „Große Langematik Gangreserve, Sondermodell Wempe" [22] ging für fast 30.000 Euro nach Übersee, eine „Richard Lange Referenzuhr" [73] in limitierter Edition blieb im Lande für 41.000 Euro.

Durchatmen – und der Sprung in eine andere Zeit: Es folgten in kurzen Abständen hohe Zuschläge für fünf Genfer Emaildosen. „Der flötespielende Hirte" [81] und „Das antike Opfer" [91], beide von Rémond, Lamy & Cie. waren Sammlern 50.400 bzw. 111.000 Euro wert. „Venus präsentiert Aeneas die Waffen des Vulkan" von Jean-Georges Rémon & Compagnie [87] erzielte 86.400 Euro, eine Puderdose von Jean-Abraham Lissignol [98] 71.500 Euro und „Die Wasserburg" von Louis Galpin [102] wechselte für 61.500 Euro den Besitzer. Wertvolle Dosen kommen nicht nur aus Genf; auch in Paris und Hanau verstand man sich auf Goldemail. Mathieu Coinys Dose „La Muse Clio" [138] und das „Sommerblütenbouquet" von Charles Colins /Johann Daniel Berneaud [145] erreichten beide 55.800 Euro.

Zwischendurch erweckten zwei Goldemail-Taschenuhren die Aufmerksamkeit: Chevalier & Comp. à Gèneve [92] und William Anthony, London [97] brachten 54.600 bzw. 93.000 Euro. Bevor der erste Teil mit den Armbanduhren von Omega, Patek Philippe und Rolex dem Ende entgegenging, sollen noch zwei weitere beachtliche Zuschläge erwähnt werden: Eine seltene Wiener Karossenuhr von Mathias Wibral [174] für 34.100 Euro und das Sternzeit-Schiffschronometer von Paul Ditisheim [290], das mit 44.700 Euro bis zum Dreifachen des Schätzwertes gelangte. Eine Omega „Speedmaster Broad Arrow" [261] von 1958, das erste von Omega produzierte Speedmaster-Modell, stand im Mittelpunkt des Titelbilds unseres Katalogs. Aufmerksamkeit war ihr also gewiß und resultierte in einem für eine Omega bemerkenswerten Preis von fast 40.000 Euro.

Nun also das Wuppertaler Uhrenmuseum der Familie Abeler. Die über tausend Objekte wurden zu 248 Katalognummern zusammengefasst, darunter folglich zahlreiche Konvolute. Das Angebot blieb dennoch umfangreich und vor allem vielfältig: Taschen- und Armbanduhren natürlich, Wand- und Standuhren, Kruzifix- und Telleruhren, auch die eine oder andere Turmuhr, das gehört zum üblichen Inventar. Holzdrechselbänke, Kuckucks-Uhren, übergroße Gangmodelle in zentnerschweren Transportkisten, stapelweise metallene Uhrenschilder, eine zweimeterlange Atomuhr-Röhre, schrankgroße Orchestrions bis hin zum selbstspielenden Klavier und zur lebensgroßen Figur des Schwarzwälder Uhrenhändlers – das stellte die Mannschaft vor ungewohnte Herausforderungen. Auch wenn manches gar zu sperrige Teil gleich in Wuppertal geblieben war, gab es doch in Frankfurt genügend Anschauungsmaterial; da die Schließung des Museums in der Region einiges Aufsehen erregt hatte, war auch das Fernsehen zur Stelle.

Eine weitere Besonderheit: Sämtliche Losnummern wurden ohne Limit verkauft. Und um es vorwegzunehmen: Nicht ein Objekt ging zurück, jede einzelne Katalognummer fand nach dem teilweise turbulenten Geschehen ihren Abhnehmer. Die Sorge, dass es sich nun bei jedem Los in 10 Euro-Schritten von einem Euro aufwärts gemächlich zum Zuschlag bewegen würde, erwies sich im Übrigen sehr schnell als unbegründet. Dazu waren die Vorgebote zu zahlreich und auch im Internet war das Interesse gewaltig. So konnte ein schriftliches Vorgebot von wenigen hundert Euro – erkennbar auch zur Überraschung des Auktionators – durch ein Onlinegebot von rund 10.000 Euro übertroffen werden: da hatte in den Weiten des Internets schon ein heftiger Bieterkampf stattgefunden.

Zudem zeigten die Saalbieter wenig Neigung, ihre Zeit mit Geplänkel zu vergeuden, und so ging es relativ zügig voran. Gleich zu Beginn erreichten eine Telleruhr von David Buschmann in Augsburg von 1680 [439] und eine außergewöhnliche barocke Weckeruhr [440] jeweils 45.000 Euro, eine japanische Spindeltaschenuhr im Holzgehäuse von 1800 [486] erzielte mit 15.000 Euro das fünffache des Schätzwertes. Ein Konvolut von einer Schwarzwälder Lackschilduhr und zwei Figurenautomaten [499] war einem Sammler 14.900 Euro wert.

Ein besonderes Stück war sicherlich die „Mysterieuse"-Tischuhr von Jean-Eugène Robert-Houdin [559] aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihrer doppelwandigen Glassäule. 34.000 Euro waren schließlich zu zahlen, nachdem ein Bieter am Telefon alle Konkurrenten hinter sich gelassen hatte.

Auch die große Zahl an Marmor- und Messingpendulen wurde mit hohen Zuschlägen verkauft. Genannt sei hier die fast einen Meter hohe und entsprechend schwere französische Messing-Prunkpendule [567], die für 22.400 Euro ins glücklicherweise nicht allzu weit entfernte Ausland ging. In den fernen Osten dagegen wird der schweizer Figurenautomat „Die Seiltänzerin" [578] von 1870 gesendet: 21.000 Euro für Tänzerin, Spielgruppe, Wasserfall und verschiedene Arien von Verdi.

Nennen wir als letztes Los das Schiffschronometer [672], das Hans Abeler, Bruder des Museumsgründers, 1935 an der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte als Meisterstück anfertigte – es erzielte 12.400 Euro. Gegen 20 Uhr war eine denkwürdige Auktion vorüber.

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