Möllinger, Johann-Jacob

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(siehe auch: Möllinger)

Deutscher mennonitischer Uhrmacher.

Zifferblatt - Jacob Möllinger

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Johann-Jacob Möllinger, Jacob genannt, wurde am 4. Dezember 1695 in Dühren (Sinsheim) geboren als ältester Sohn von Vincenz Möllinger (1668-1748) und Veronika Nagelin od. Maylin (1674-1753). Er war der Bruder von Joseph Möllinger welche auch Uhrmacher wurde und einige Jahren in Neustadt an der Haardt arbeitete.

In Frankenthal erlernte er das Uhrmacherhandwerk. Nach 1721 zog er auf den Branchweilerhof. 1727 erwarb er in Neustadt an der Haardt (jetzt Neustadt an der Weinstrasse) das Anwesen Hintergasse 26, das heute noch steht. Die Ausübung eines Handwerks war den Mennoniten in der Regel nicht erlaubt. Im Jahre 1717 stellten sie diesbezüglich beim Kurfürsten einen Antrag mit der Bitte, sie von den Hemmnissen zu befreien, die der Ausübung eines Handwerks entgegenstanden. Der Antrag wurde abgelehnt. Es ist erstaunlich, das sich trotzdem ein zur Mennonitengemeinde Branchweilerhof gehöriger Uhrmacher in Neustadt niederlassen konnte. Er muss eine Sondergenehmigung vom Kurfürsten besessen haben.

Möllinger war zwei mal verheiratet, zuerst am 2. Dezember 1721 mit Margaretha Würzin oder Margarethe Würtz und in 1742 mit Elisabeth Sintzenisch. Elisabeth war vermutlich Familie von Judith Sintzenich Ehefrau von Sein Bruder Joseph. Aus diese beide Ehen sind acht Söhne und eine Tochter bekannt, die wie der Vater das Uhrmacherhandwerk betrieben. Friedrich Möllinger (1726), Joseph Möllinger (1735), Johannes Möllinger (1739), Jacob Möllinger (1740), Martin Möllinger (1742), Daniel Möllinger (1746), Judith Möllinger (1748) und der Zwillinge Elias Möllinger und Christian Möllinger (1754).

Johann-Jacob Möllinger verstarb am 17. Januar 1763, seine zweite Ehefrau führte als Witwe das Geschäft ihres Mannes weiter und übergab es 1787 an den Sohn Elias Möllinger. Zwischen 1763 und 1787 signierte Elisabeth die Uhren mit „Jacob Möllinger Wittib“.

Leistungen [Bearbeiten]

Möllinger beschäftigte in seiner Werkstatt bis zu zehn Gesellen. Seine Uhren sind weit verbreitet und gingen bis nach Nordamerika. Auch auf dem Branchweilerhof ist noch eine Standuhr aus dem Jahre 1754 erhalten. Auch Friedrich-Carl Möllinger war einer der Gesellen, er wurde später Stadtuhrmacher von Frankfurt. Auch die Gebrüder Ludwig Knaus und Friedrich Knaus wurden bei Möllinger ausgebildet, sie arbeiteten als Uhrmacher später in Darmstadt. Der in Eberbach arbeitende Uhrmacher Franz-Jacob Braun (1735-1813) war ebenfalls ein Lehrling.

Wachenheim Turmuhrwerk
Schloss Schwetzingen

Aus seiner Werkstatt wurden unter anderen auch mehrere Turmuhren ausgeliefert; zu ihnen zählen:

  • Die des Altpörtels in Speyer.
  • Die Turmuhr der Dreifaltigkeitskirche in Worms mit 4/4-Schlagwerk von 1742. Das Werk ist heute im Wormser Museum eingelagert.
  • Die Turmuhr in der St. Georgskirche in Wachenheim an der Weinstraße von 1755. Die Hemmung wurde umgebaut von Scherenhemmung auf Hakenhemmung.
  • Die Kirchturmuhr der katholischen Kirche in Offenbach an der Queich von 1769. Die Uhr war bis zum Jahr 1933 in Betrieb und wurde dann durch ein elektronisches Uhrwerk ersetzt.
  • Die Turmuhr am Schwetzinger Schloss mit drei Zifferblätter auf verschiedene stellen im Schloss, „AUF HOHEN FÜRSTERICHEN BEFEHL WURDE DIESES WERCK VON JACOB MÖLLINGER AUS NEUSTADT VERFERTIGT Ao. 1763“. es geht um Kurfürst Carl Theodor von Pfalz Sulzbach. In Jahre 1763 kam sogar W.A.Mozart nach Schwetzingen und genau in diesem Jahr ist auch die Turmuhr gebaut worden. Möglicherweise hat Wolfgang Sie sogar gehört und gesehen! Aber auch in diesem Jahr verstarb Jacob Möllinger, die Uhr war gerade fertig oder wurde noch etwas später durch einer der Söhne fertig gemacht.

Als Hemmung verwendete Möllinger vorzugsweise die im mittleren 18. Jahrhundert oft zum Einsatz gebrachte Amant-Hemmung oder Scherenhemmung, eine sehr robuste, leicht zu fertigende und für Turmuhren gut geeignete Hemmung. Da diese Hemmung zu den Ruhenden Hemmungen zählt, gewährleistet sie bei guter Imprägnierung der Pendelstange gegen feuchtigkeitsbedingte Längenänderung eine recht hohe Ganggenauigkeit. Die Längenänderung durch Temperaturschwankungen spielt bei Holzstabpendeln nur eine sehr geringe Rolle. Möllinger verwendete oft Laternentriebe in seiner Uhren.

Weiterführende Informationen [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Frank Konersmann: Das Gästebuch der mennonitischen Bauernfamilie David Möllinger Senior 1781-1817. Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey, 2009, ISBN 978-3-87854-218-6.
  • Kurt Langmantl: Möllinger, eine privilegierte Uhrmacher-Dynastie. In: Klassik Uhren; 5-2009, Ebner Verlag Ulm; S.24f.
  • Meister der Uhrmacherkunst; Wuppertal 1977, Jürgen Abeler, Seite 435/436.

Quellen[Bearbeiten]

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