UFAG

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UFAG Glashütter Uhrenfabrik AG

Uhren-Fabrik-Akt.-Ges. Schwesterunternehmen und Uhrenhersteller für die UROFA Glashütte Sa. UFAG





Die Vorgeschichte

Am 16. Juni 1925 veröffentlichte das Amtsgericht Lauenstein:

„Über das Vermögen der Glashütter Feinmechanische Werkstätten e.G.m.b.H., Glashütte wird heute am 16. Juni 1925 das Konkursverfahren eröffnet."

Am nächsten Tag ging es weiter:

„Über das Vermögen der Deutschen Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte, Uhrgläserwerke Deutscher Uhrmacher e.G.m.b.H. wird heute am 17. Juni 1925 das Konkursverfahren eröffnet."

In stark eingeschränktem Maße wurde noch einige Wochen weiter gearbeitet, bis dann am 31. Oktober 1925 die endgültige Stilllegung erfolgte. Das war der Endpunkt einer von Anfang an verfehlten und von Missmanagement geprägten Firmen- und Produktpolitik, für die Generaldirektor Muschan einen wesentlichen Teil der Verantwortung trug. Die Folge war, dass viele Anteilseigner, aber auch hoch qualifizierte Beschäftigte, in existenzielle Not kamen und die Giro-Zentralle Sachsen, die Hauptgläubigerbank, auf einem Berg von Schulden saß. Sicherlich inspiriert durch den wirtschaftlichen Erfolg der Schweizer Uhrenproduzenten, die nach 1918 konsequent die Entwicklung der Serienproduktion von Rohwerken und Armbanduhren vorantrieben, reifte der Entschluss heran, mit dem Aufbau einer modernen Fertigungsstätte in Glashütte an dieser Entwicklung teilzuhaben; auch um die bestehenden Verluste zu kompensieren.

Der Beginn

Am 7. Dezember 1926 gründete die Giro-Zentrale Sachsen die Betriebe „Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG" (UROFA), Sitz Leipzig und „Glashütter Uhrenfabrik AG in Glashütte". Aufgrund eines Einspruches der Firma Lange & Söhne gegen die Wahl des Firmennamens erfolgte eine Umbenennung in „Uhrenfabrik Glashütte AG" (UFAG). Aus ähnlichen Erwägungen heraus hatte die UROFA anfangs, zumindest pro forma, ihren Sitz in Leipzig, obwohl Betrieb und Geschäftsführung von Anfang an in Glashütte ansässig waren. Sämtliche Aktien der UROFA und der UFAG waren im Besitz der Giro-Zentrale Sachsen, die auch die weitere Finanzierung sicherstellte.

Als Geschäftsführer für beide Firmen wird der Giro-Zentrale Sachsen vom Zentralverband der Deutschen Uhrmacher ihr schon am Konkursverfahren der Deutschen Präzisionsuhrenfabrik Glashütte e.G.m.b.H (DPUG) beteiligter 2. Syndikus, Dr. jur. Ernst Kurtz, vorgeschlagen. Als Jurist war er dann auch maßgeblich für die Erarbeitung der beiden Gesellschafterverträge verantwortlich, die ihn als alleinigen Gesellschafter auswiesen. Zielsetzung von Dr. Kurtz war es, mit den beiden neuen Betrieben den Schweizer Uhrenproduzenten von Deutschland aus eine leistungs- und konkurrenzfähige Serienproduktion von Armbanduhren entgegenzustellen und somit das Schweizer Monopol zu brechen.

Vorerst musste aber ein Teil der erforderlichen Maschinen für den Neuanfang erworben werden. Dies geschah durch den Zukauf der Konkurs gegangenen Schweizer Uhrenfabrik Emil Judith, Biel. Paul Löwe übernahm 1927 die technische Leitung der UFAG. Er war zuständig für den Aufbau der Armbanduhrenfertigung und die Zulieferungen des Vormaterials von der UROFA. Seine Arbeit hatte großen Einfluss auf die hohe Qualität der Zulieferungen von der UROFA. Teilweise waren auch Fertigungsumstellungen notwendig, um seinen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.

Da mit dem Maschinenpark der ehemaligen Firma Judith, mit dem bisher nur Taschenuhren produziert worden waren, auch eine nicht näher bekannte Zahl von Rohwerken und Teilen gekauft wurde, begann man erst mal mit der Herstellung von Taschenuhren des Kaliber 19. Während dieser Produktion wurden die für eine Serienproduktion von Armbanduhren erforderlichen Werkzeuge und Maschinen entworfen und gebaut. Parallel dazu wurde das erste Damenarmbanduhrkaliber der Urofa, das Kaliber 51, aus Kostengründen noch mit Zylinderhemmung entwickelt und 1929 auf den Markt gebracht.

Die Serienproduktion ziviler Armbanduhren 1929 bis 1941

Mit dem Damen-Armbanduhrenwerk Kaliber 52 der UROFA beginnt im Herbst 1929 bei der UFAG die Serienfertigung von Armbanduhren.

Bis 1941 werden von der UFAG weitere Uhrenmodelle mit Werksinnovationen der UROFA erfolgreich in den Markt eingeführt. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die Damenwerke 521, 522, 54, 542 und um die Herrenkaliber 55, 551, 58, 581 sowie um den Fliegerchronographen für die Deutsche Wehrmacht, dem Kaliber 59.

Garantieschein der UFAG
Garantieschein UFAG



Nur aus etwa 8% der Rohwerkeproduktion der UROFA wurden bei der UFAG Armbanduhren in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt.

Die veredelten Werksvarianten der UROFA bildeten die Spitzenerzeugnisse und trugen von Anfang an den Markennamen Tutima-Glashütte. Tutima Uhrwerke wurden nur für die UFAG produziert.




Die Jahre 1939 bis 1945

Mit der 1938 erfolgten Einstufung als „Betrieb zur Wehrfertigung“ war den Betrieben UROFA und UFAG und der Betiebsleitung unter Dr. Kurtz eine freie unternehmerische Tätigkeit nicht mehr möglich. 1939 verpflichtete ihn ein Auftrag des Rüstungsministeriums zur Entwicklung eines Fliegerchronographen, dem späterem Kaliber 59. Diese Produktion band zu großen Teilen die Kapazitäten der beiden Werke bis 1945. Das 1938 von der Betriebsleitung geplante Vorhaben aus dem [[Urofa 55|Kaliber 55)) heraus eine der „Glashütter Tradition“ entsprechende Qualitätsarmbanduhr mit Breguetspirale und Zentralsekunde zu entwickeln, konnte mit Kriegsbeginn nicht mehr realisiert werden. Ende 1940 musste die Produktion von Armbanduhren vollständig zu Gunsten des Fliegerchronographen, von dem dann monatlich immerhin 1200 Stück produziert wurden, eingestellt werden. 1943 wurde noch einmal, diesmal in Kooperation mit den Betrieben Gebr. Junghans Schramberg und der Pforzheimer Uhrenrohwerkefabrik (PUW), die Entwicklung einer neuen Armbanduhr in Angriff genommen. Sie sollte einen Durchmesser von 28 mm haben und mit Kupplungsaufzug, Palettenankerhemmung sowie mit 15 bzw. 16 Steinen ausgestattet sein. Die besten Erfahrungen der beteiligten Betriebe flossen in die Entwicklung des Produktes ein und so wurde sie mit dem Bau von Musterexemplaren 1944 erfolgreich zum Abschluss gebracht. Eine Einführung in die Produktion war kriegsbedingt nicht mehr möglich. Im Verlauf des Krieges erhielten die Betriebe im zunehmenden Maße auch Aufträge zur Produktion von Zeitzündern. Gegen Kriegsende wurden diese Produktionszweige zu ihrem Schutz vor Bombenangriffen weitestgehend in kleinere Dörfer, unter anderem auch nach Memmelsdorf (Unterfranken), ausgelagert.

Die Nachkriegsjahre 1945 bis 1951

Nach Kriegsende wurden im Juli/August 1945 die Produktionsanlagen der UROFA und der UFAG von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert, mit den noch vorhandenen Uhrenteilen als Reparationsleistung nach Moskau verbracht und in den Kirow-Werken (1. Moskauer Uhrenfabrik) aufgebaut. Zurück blieben die leeren, teilweise beschädigten Werkgebäude.

Nach der Demontage 1945 der UROFA und der UFAG waren Paul Löwe und Helmut Klemmer maßgeblich am Wiederaufbau beteiligt. Im Januar 1946 wurde ein Antrag auf Wiederaufnahme der Produktion gestellt. Im Dezember 1946 erhielten die bisherigen SchwesterfirmenUROFA und UFAG von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) die Genehmigung und den Auftrag die Produktion von Uhren unter einer neuen, gemeinsamen Firmen bezeichnung aufzunehmen.

Dazu wurden UROFA und UFAG zum einem neuen Glashütter Betrieb der Produktionsgemeinschaft Precis zusammen gefaßt (siehe Diskussion).

Die erste Serie von 300 Stück (Kaliber 61) wurde bereits 1946 teilweise mit der Signatur "Urofa 61 Wiederaufbau 1. Serie" auf der Werkplatine gefertigt. Dem folgten 1947 die Weiterentwicklungen Kalber 611 und 1947/1948 das Kaliber 612. Die letzte Weiterentwichklung stellte das von 1948 bis 1951 produzierte Kaliber 613 dar.

Im Juli 1951 wurden der VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) gegründet in denen dann die wesentlichen Glashütter Betriebe zusammen gefasst waren.

Weiterführende Informationen

Literatur